Ort Datum Tag Von Bis Veranstaltungsart
Meran 2018053131. Mai 2018 20180531Do 07:30 Uhr 18:00 Uhr Exkursion

Ultental: Am Zoggler Stausee und zu den Urlächen/Lahner Säge (Nationalparkhaus)

Das Ultental zweigt gut 20km südlich von Meran bei Lana nach Südwesten ab. Die Straße windet sich ungefähr 500 Höhenmeter steil empor, die sonnenbeschienenen Hanglagen werden für Wein- und Obstanbau genutzt. Dann öffnet sich ein Hochtalboden auf dem sich die 5 kleinen Teilgemeinden mit ihren teils sehr alten, in uralter, traditioneller Holzbaukunst erstellten, gut erhaltenen und noch genutzten Höfen aufreihen. Am Talende beginnt der Nationalpark Stilfser Joch, hier schraubt sich die Staatsstraße noch einmal 500 Höhenmeter hinauf und endet beim Weißbrunnsee zu Füßen des Vorderen und Hinteren Eggenspitz auf ungefähr 2000m.

Das Ultental ist das wasserreichste Tal Südtirols mit zahlreichen Bergseen und einigen Stauseen. Die Falschauer (auch Valschauer) durchfließt das gesamte Tal und mündet nach circa 40km bei Lana in die Etsch. Ihr Mündungsdelta wurde zum Biotop erklärt und bietet heute zahlreichen gefährdeten Tierarten und seltenen Pflanzen ein Refugium (Zyperngräser, geflügeltes Johanniskraut, Wasserschwertlilie, flutender Hahnenfuß). Das Vorkommen zahlreicher Mineralquellen erklärt sich durch die Lage direkt entlang der bedeutendsten tektonische Störlinie der Alpen, der Judikarienlinie, die in St.Pankraz auf die Pejolinie trifft (somit liegt das Tal komplett auf der Naht zwischen Ostalpen und Südalpen ).

Das Ultental ist sehr grün und waldreich, im Süden mit dichtem Fichtenwald, auf der „Sunnseiten“ wechseln saftige Wiesen, Waldstücke, die Höfe und prächtige weite Almböden. Es hat sich seine Ursprünglichkeit und Echtheit bewahrt und strahlt eine große Ruhe und eine gewisse Abgeschiedenheit aus. Es ist geprägt von seiner zerstreuten Bewirtschaftung und Besiedlung, durchweg mit ästhetischen Höfen in charakteristischer Holzbauweise, teils durchaus auch in moderner Form. Nicht umsonst ist der bekannteste Wanderweg der „,Höfeweg“, auf dem man das Hochtal entlangwandern und dabei viele, der meist als Paarhöfe angelegten Höfe bewundern kann.

Unsere Tour beginnt mittig im Hochtal auf dem Staudamm des größten der Seen, dem Zoggler Stausee (im Moment wegen Reparaturarbeiten stark abgelassen). Vorbei am Wegleithof (www.kraeuterreich.com, bioland) steigen wir ein Stück die Straße hoch zu einer artenreichen Heckengesellschaft und bunter Mähwiese, Wermut und Beifuß können wir in enger Nachbarschaft finden. Hier, circa 100 Höhenmeter über dem See gelegen münden wir auf dem steinigen, gut zu gehenden Seeweg in lichten, abwechslungsreichen Wald. Mit kaum merklichem Auf und Ab bietet uns der Weg vielfältigen Randbewuchs und verschiedene Pflanzengesellschaften auf kleinen Auslichtungen, diese geben auch lohnende Ausblicke aufs andere Seeufer, übers Tal und teils bis zum gipfelgekrönten Talschluss frei. So gilt einzelne Exemplare von gelbem Fingerhut nicht zu übersehen, eine Sedumgesellschaft zeigt uns die Vielfalt dieser Art bis hin zu der ausladenden und auffällig schwefelgelben Blüte von Sedum maximum. Bei den Farnen gibt es sehr vereinzelt einen Tuff aus vielen schmallanzettlichen gabelig gespaltenen ledrigen Fiederblättern, den Streifenfarn. Am Ende des Sees treffen wir aufs Ufer und die nun offene Landschaft mit anderem Bewuchs (Weiden, Rainfarn, geruchlose Kamille, Brunnenkresse). An einem Projekt der Gemeinde vorbei, wo Holz und Wolle des Tales verarbeitet werden (Schreinerei, Filzerei „bergauf“) treffen wir auf die Talstation Schwemmalm, der einzigen Bahnanlage des Tales, mit bar und lodn, einer Kaffebar  mit heimischen Produkten, die auf angenehme Weise Tradition mit Moderne verbindet. Hier können wir auf den bekanntesten Weg des Tales, den Ultner Höfeweg wechseln. Ein kurzer Anstieg auf Asphalt bringt uns durch eine kleine Hofgruppe mit einem der ältesten Höfe des Ultentals, dem denkmalgeschützten Erbhof „Zum Oberen Hof“ (www.kraeuterwelt.it , bioland). Im typischen Bauerngarten mit Stachetenzaun wuchert unter anderem das Herzgespann (Leonurus cardiaca, GefGr 2) und später am Weg herrliche Exemplare der Nachtkerze. Die Pflanzbeete liegen direkt am Weg, entlang einer uralten Trockenmauer und inmitten von Wiesen. Sogar Ysop wird hier kultiviert. Wir steigen zur Straße hinunter, der Bus bringt uns circa 5km taleinwärts, damit wir über den Höfeweg auf der anderen Talseite über eine Wiese mit Küchenschellen zum Naturdenkmal und UNESCO Naturerbe, den 3 Ultener Urlärchen gelangen.

Sie gelten als älteste Nadelbäume Europas, ihr Alter wurde erst kürzlich an der Universität Innsbruck  auf 800 Jahre bestimmt (also nicht mehr die seit 1930 genannten 2000 Jahre, die auf einer Zählung der Jahresringe eines gleichwertigen, umgefallenen Stammes beruhten).

Hier befindet sich auch der Hofschank, so dass die Mittagsrast mit einem Verweilen bei den Urlärchen möglich ist.

Von hier geht es ganz bequem zum Endpunkt unserer Tour, dem Nationalparkhaus „Lahner Säge“, die von dem Biologen Ronald Oberhofer betreut wird. In dem kleinen, alten Holzbau mit großem Wasserrad befindet sich eine originale, für Vorführungen funktionstüchtige Venezianer Säge/Getreidemühle und eine faszinierende Ausstellung, die auch mit Computeranimationen die Funktion des Waldes und des Holzes aufzeigen und die verborgenen Geheimnisse des Waldes erlebbar machen.

  • Schwierigkeit: einfache Wanderung in Etappen auf bequemen, festen Wegen. Vom Staudamm des Zoggler Stausees gut 100Hm schnell ansteigend, dann parallel der Seelänge sanft abfallend bis zum Ufer in Kuppelwies und wieder knapp 100Hm auf dem Höfeweg , Bus, dann knapp 100Hm ansteigender Wiesenpfad zu den Urlärchen am Talende.
  • Gehzeit: 2-3h am See (6km), 5km Bustransfer, 1h zu den Urlärchen (1,5km, ansteigend), Mittagsrast, 20min zum Nationalparkhaus Lahner Säge mit Programm
  • Höhenunterschied: 300Hm insgesamt, max. Meereshöhe 1240m am Seeweg, 1430m bei den Urlärchen
  • Einkehrmöglichkeiten: „Hofschank bei den Urlärchen“, je nach Zeit und Bedarf  Sea.wies . bar&lod“n in Kuppelwies, Talstation Schwemmalm (warmes belegtes Paarl-Brot oder süße Teilchen)
  • Wanderkartenvorschlag: TABACCO  042; 1:25 000,  KOMPASS WK  052, 1:25 000
  • Ausrüstung: Wetterschutz, feste Schuhe, eventuell kleiner Snack
  • Abfahrt: 7.30 Uhr in Meran, Rückkehr gegen 18.00 Uhr
 

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