Ort Datum Tag Von Bis Veranstaltungsart
Meran 2016052626. Mai 2016 20160526Do 07:30 Uhr 18:30 Uhr Exkursion

Eine der Exkursionen im Rahmen des pharmacon Ende Mai in Meran führte vom Hofmahdjoch am Deutschnonsberg nach Proveis und wurde von Dr. Ursula Barthlen geleitet.

Unsere Fahrt von Meran über Lana brachte uns am Hausberg von Meran, dem Vigiljoch, vorbei und führte ins Ultental. St. Pankraz ist die erste Ortschaft und die größte Siedlung des Ultentals. In der Pestkapelle erinnert ein Schild aFoto2n die große Pest von 1636. Durch die Ortschaft führt die Judikarienlinie bis zum Tonale-Pass – mit einer Länge von 700 km die bedeutendste tektonische Störungslinie der Alpen. Diese als periadriatisches Lineament, in ihrem westliche Teil auch als Judikarienlinie bezeichnete Naht trennt die Ostalpen von den Südalpen, im weitesten Sinn den europäischen vom afrikanischen Kontinent. In diesen Störungszonen zirkulieren Wässer, die aus sehr großer Tiefe stammen und hohe Mineralgehalte aufweisen. Daher werden sie als Mineral- und Heilwässer genutzt wie das radonhaltige Heilwasser vomVigiljoch. Die Verbindungsstrecke zwischen Ulten und Proveis führt auf einer erst 1998 fertiggestellten, steilen und teils in Tunneln geführten Straße, der Proveiser Straße, einem früheren Saumweg, durch eine abwechslungsreiche Landschaft. Das Hofmahdjoch ist ein Gebirgspass, der das Südtiroler Ultental mit Proveis verbindet.

VomParkplatz des Hofmahdtunnels (1690 m) starteten wir durch den Wald hinauf zu den mit Schwefelanemonen (Pulsatilla alpina subsp. apiifolia) und Holunderorchis (Orchis sambucina) reichen Hofmahdwiesen. Die Blätter der giftigen Herbstzeitlose

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Drüsige Primel

(Colchicum autumnale) und der Germer (Veratrum verum) machen die Wiesen als Weide unbrauchbar. Wir fanden die am Boden plattgedrückten Blätter der Arnika (Arnica montana) – lag doch zwei Tage vorher hier noch Schnee – und die tief eingeschnittenen Blätter des Wolfseisenhuts (Aconitum lyoctonum). Die ausgegrabenen Wurzeln wurden früher zumVergiften der Wölfe genutzt.

Bergan entdeckten wir die sterilen Sprosse des immergrünen Winterschachtelhalms (Equisetum hiemale), dessen Stängel heute noch zum Schärfen der Klarinettenblätter im Handel sind. Über einen Steig ging es an niederliegenden Zwerg-Wacholderbüschen (Juniperus sibirica) zunächst durch Wiesen hinauf zur aufgelassenen Oberalm (1894 m). Von den Pflanzen dort hätten wir uns in Notzeiten ernähren können: Hier wächst Guter Heinrich (Chenopodium bonus henricus), Alpenampfer (Rumex alpinus), große Brennnessel (Urtica dioica) und als Gewürz das bittere Schaumkraut (Cardamine amara).

Durch noch nicht blühende Alpenrosenfelder (Rhododendron ferrugineum) kamen wir zu einer alten Lärche (Larix decidua), die voll mit weißem Lärchenschwamm (Polyporus officinalis) und grün leuchtender Wolfsflechte (Letharia vulpina) bewachsen war. In den Ansätzen zu Lebenswässern (Schwedentrunk) durfte der Lärchenschwamm mit dem darin enthaltenen, abführend wirkenden Agaricin nicht fehlen. Die in der Wolfsflechte enthaltene schwefelgelbe Vulpinsäure ist für Fleischfresser wie Füchse und Wölfe hoch giftig.

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Röhren-Gelbstern

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Kuhfladen-Tintling

Von da nahmen wir den Bonacossa-Weg durch den Fichten-Lärchen-Latschen-Wald zur Kesselalm (1917 m) und fanden Drüsige Primel (Primula hirsuta), Pestwurz (Petasites hybridus), Huflattich (Taraxacum officinale) und Meisterwurz (Peucedanum ostruthium). An der Waldgrenze wuchsen nur noch Latschen, Wacholder und einzelne Lärchen; doch wir entdeckten in fast 2000 m Höhe den Röhren-Gelbstern (Gagea fistulosa).

Nach dem Abstieg erwartete uns die wohl verdiente Rast an der Unteren Kesselalm (1650 m) mit einheimischen Spezialitäten. Beim Abstieg, vorbei an einem Kuhfladen, verziert mit dem Tintling (Coprinopsis nivea), ging es durch Fichten-Tannen-Buchen-Mischwald entlang des Erlebniswanderwegs ins abgelegene Bergdorf Proveis (1420 m). Unterwegs konnten sich manche Wanderer in einer Kneippanlage die müden Füße erfrischen.

Wir trafen auf den Wurmfarn (Dryopteris filix mas), dessen noch nicht entfaltete Wedel wie Bischofsstäbe aussehen. Der Wurzelstock war früher ein bekanntes Vermifug gegen Bandwürmer. Nach dem Auffinden von Sauerklee (Oxalis acetosella), dem»fleischfressenden« Alpenfettkraut (Pinguicula alpina) und dem Stängellosen Enzian (Gentiana acaulis) beendeten wir unsere schöne Wanderung im kleinen Bergdorf Proveis an der St. Nikolaus-Kirche, in der die Gebeine der Heiligen vom Deutschnonsberg ruhen.

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Stängelloser Enzian

Beitrag erschienen in der Pharmazeutischen Zeitung/ Ausgabe 24, 2016

Dr. Ursula Barthlen, 72144 Dußlingen,
E-Mail: barthlen(at)t-online.de

 

 

 

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