Herzinfarkt: Die Big Five der Sekundärprophylaxe

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Nach einem Herzinfarkt ist das Risiko für einen weiteren Infarkt stark erhöht. Eine Pharmakotherapie mit fünf Arzneistoff(klass)en senkt es: Acetylsalicylsäure (ASS), ADP-Rezeptor-Antagonist, Betablocker, Lipidsenker und ACE-Hemmer.

Ein akuter Myokardinfarkt beruht in 95 Prozent der Fälle auf einer Atherosklerose der Koronararterien. »Im Laufe des Lebens kommt es in den Gefäßen zur Ablagerung von Plaques. Aus diesen kann sich durch Scherkräfte ein Thrombus lösen, der dann an einer Verengung in einem Herzkranzgefäß hängenbleibt«, sagte Privatdozent Dr. Klaus Bonaventura vom Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam beim Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming. Häufig weisen die Arterien nicht nur eine starke Verengung auf, sondern viele kleine Einbuchtungen. Der Thrombus kann daher zunächst hängenbleiben, sich dann wieder lösen, nur um weiter hinten dann endgültig steckenzubleiben. Die Patienten bemerken in diesen Fällen eine vorübergehende Besserung der Symptome gefolgt von einer erneuten Verschlechterung, berichtete der Kardiologe.

Untypische Symptome bei Frauen
Außer dem klassischen Symptom – Brustschmerzen, die in den linken Arm ausstrahlen – können folgende Beschwerden Anzeichen eines Herzinfarkts sein: Kurzatmigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Angst, Schweißausbrüche und Schwindel. Bei Frauen sind die letztgenannten Symptome häufiger als bei Männern, teilweise sogar gänzlich ohne den typischen Brustschmerz.

Pauschal von einem Herzinfarkt zu sprechen, ist heutzutage jedoch nicht mehr medizinisch korrekt. Der Fachbegriff lautet »akutes Koronarsyndrom« und fasst die beiden Herzinfarkt-Formen mit oder ohne Hebung der ST-Strecke im EKG (STEMI und NSTEMI) sowie die instabile Angina pectoris zusammen. Bei einem Herzinfarkt, ob mit oder ohne ST-Hebung, gehen Herzmuskelzellen zugrunde und setzen dabei den Proteinkomplex Troponin ins Blut frei. »Troponin ist der sensitivste Marker für eine Schädigung des Herzmuskelgewebes. Er ist circa drei bis vier Stunden nach Infarktbeginn nachweisbar«, sagte Bonaventura.

Bei einem STEMI und in den meisten Fällen auch bei einem NSTEMI muss das verstopfte Gefäß schnellstmöglich per Ballonkatheter eröffnet werden. »Spätestens innerhalb von 120 Minuten muss der Patient auf dem Kathetertisch liegen«, sagte Bonaventura. Da es beim Zugang über die Armvene (radial) seltener zu Nachblutungen an der Einstichstelle kommt, wird diesem mittlerweile der Vorzug vor dem Zugang über die Leiste (femoral) gegeben. Um einen Wiederverschluss zu verhindern, setzt der Kardiologe einen Stent an die Engstelle. Vom Ansaugen des Thrombus durch den Katheter, wie es früher üblich war, hat man heute Abstand genommen, weil sich durch die Prozedur häufig Gerinnselstücke lösen, die dann einen Schlaganfall verursachen können.

Nach der Akutversorgung im Krankenhaus erhält der Patient eine Pharmakotherapie, um einen erneuten Infarkt zu verhindern. Diese besteht aus den »Big Five«, so Bonaventura, also fünf wichtigen Arzneistoffgruppen. Alle Patienten erhalten ASS in niedriger Dosierung von 70 bis 100 mg täglich. Bei Unverträglichkeit kann auf den ADP-Rezeptor-Antagonist Clopidogrel ausgewichen werden. Zusätzlich zu ASS wird über mehrere Monate – der genaue Zeitraum hängt unter anderem von der Art des verwendeten Stents ab – ein ADP-Rezeptor-Antagonist gegeben, und zwar bevorzugt Prasugrel oder Ticagrelor.

Die drei weiteren Säulen der Therapie sind Betablocker (Bisoprolol, Metoprolol oder Nebivolol), Lipidsenker (Statine, gegebenenfalls in Kombination mit Ezetimib, oder PCSK9-Hemmer) sowie ACE-Hemmer (Ramipril oder Enalapril) beziehungsweise Sartane (Candesartan, Valsartan, Losartan oder Olmesartan). Bonaventura betonte, dass die lipidsenkende Therapie so optimiert werden muss, dass der LDL-Cholesterolwert unter 70 mg/dl liegt. Dies entspricht dem Zielwert für Hochrisikopatienten.

ASS ein Leben lang
Ein Jahr nach dem Infarkt ist es unter Umständen möglich, einen Teil dieser Medikation wieder abzusetzen. ASS jedoch nicht: »Das bleibt ein Leben lang«, sagte Bonaventura. Auch der Cholesterolspiegel muss zwingend weiter medikamentös kontrolliert werden. Ob die doppelte Plättchenhemmung mit ASS plus ADP-Rezeptor-Antagonist weiter fortgeführt wird, hängt vom individuellen Blutungs- sowie Reinfarktrisiko ab. Über die Weitergabe von Betablocker und ACE-Hemmer entscheiden ebenso individuelle Risikofaktoren. Bonaventura betonte, dass bei aller Konzentration auf die Medikation auch die Motivation des Patienten zu einem gesünderen Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und ausreichend Bewegung nicht vergessen werden darf.

Beitrag erschienen in Pharmazeutischer Zeitung / 24.01.2019

Freitag, 25. Januar 2019|News Schladming|

Fragen an die ABDA-Spitze

Das Reformpaket für den Apothekenmarkt von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist das Thema, das die Apothekerschaft momentan am meisten beschäftigt. Wenig überraschend stand es auch ganz oben auf der Agenda bei der berufspolitischen Diskussionsrunde beim Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming.

ABDA-Hauptgeschäftsführer Sebastian Schmitz informierte über die ABDA-Mitgliederversammlung am 17. Januar, auf der ein eigenes Eckpunktepapier als Gegenentwurf zu Spahns Plänen einstimmig verabschiedet worden war. Der Maßnahmenkatalog der ABDA gliedert sich in sechs wichtige Themenkomplexe auf: Gewährleistung der Gleichpreisigkeit, Förderung pharmazeutischer Dienstleistungen, gesetzliche Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der freien Apothekenwahl, Aufstockung der Finanzmittel des Nacht- und Notdienstfonds auf 240 Millionen Euro, Mitgestaltung und Mitbestimmung bei der Etablierung digitaler Strukturen in der Arzneimittelversorgung und Erhöhung der Gebühr bei der Abgabe dokumentationspflichtiger Arzneimittel, insbesondere Betäubungsmittel. Nun liegt der Ball wieder im Feld der Politik. »Bundesregierung und Parlament sind jetzt gefordert, politische Entscheidungen zu treffen«, so Schmitz. Der Abschluss eines Gesetzgebungsverfahrens sei für Mitte 2019 angekündigt.

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Auf die Frage, ob sich die ABDA nun sang- und klanglos vom Rx-Versandverbot verabschiedet hat, antwortete ABDA-Präsident Friedemann Schmidt: »Gegenwärtig fehlt bei den Koalitionsfraktionen der politische Wille für ein Rx-Versandverbot.« Momentan sieht er keine Aussicht auf Erfolg und daher sei man in die Diskussion über alternative Möglichkeiten eingetreten. Auch der Vorschlag, die Streichung von Zuzahlungen durchzusetzen, um Boni damit ad absurdum zu führen, ist aus der Sicht des ABDA-Präsidenten wenig erfolgversprechend. »In weiten Teilen der Unionsparteien CDU und CSU werden die Zuzahlungen als gutes Instrument zur Steuerung des Arzneimitteleinsatzes und -gebrauches angesehen.«

Welche Dienstleistungen honorieren?
Was für Dienstleistungen können das sein, die künftig honoriert werden sollen? »Hier wollen wir eine Verbesserung der Versorgung der Menschen erreichen«, sagte Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer. Honoriert werden könnten daher Dienstleistungen zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) wie eine Medikationsanalyse. »Wir wollen keine Selbstverständlichkeiten bepreisen«, sagte Kiefer. Eine Medikationsanalyse geht aber über die übliche, mit der Abgabe eines Arzneimittels verbundene Beratung hinaus. Dass hier der Apotheker einen wichtigen Beitrag leisten kann, sähen auch immer mehr Ärzte so, sagte Kiefer.

Als honorierbare Dienstleistungen sind zudem Folgeverordnungen durch Apotheker in der Diskussion. »Das hatten wir Herrn Spahn bei einem Gespräch einmal vorgeschlagen und er war nicht abgeneigt«, sagte Fritz Becker, der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbands. Auch eine honorierte Impfberatung durch Apotheker sei denkbar. »Für mich ist die Honorierung zusätzlicher pharmazeutischer Dienstleistungen ein ganz wichtiger Punkt in Spahns Paket«, sagte Becker. Damit werde der Anfang gemacht für eine weitere Entwicklung in diese Richtung.

Eine weitere Zukunftsfrage ist die nach der Ausbildung künftiger Apothekergenerationen. In diesem Zusammenhang wird gerade angesichts der möglichen Honorierung von Leistungen rund um die AMTS der Ruf nach mehr Klinischer Pharmazie in Studium und praktischem Jahr immer lauter. Doch dafür müssten dann unter Umständen andere derzeitige Ausbildungsinhalte weichen, denn noch mehr lässt sich im bereits sehr vollen Stundenplan der kommenden Apotheker kaum unterbringen. Daher ist auch eine Verlängerung der Regelstudiendauer von acht auf neun Semester im Gespräch.

Das Thema beschäftigt auch die Bundesapothekerkammer. Sie arbeitet derzeit an einem Plan für die künftige Ausbildung, den sie Ende des Jahres präsentieren wird, so Kiefer. Man werde diesen dann auch dem Gesundheitsminister als Vorschlag für eine Novelle der Approbationsordnung vorstellen. Schmidt ergänzte, dass die derzeitige Praxis einiger Hochschulen, bei der Lehre von der geltenden Approbationsordnung abzuweichen, nicht hinnehmbar sei. »Die Patienten müssen sich darauf verlassen können, dass Apotheker in Deutschland überall dasselbe können, wenn sie ihr Studium abgeschlossen haben.«

Beitrag erschienen in Pharmazeutischer Zeitung / 24.01.2019

Freitag, 25. Januar 2019|News Schladming|

Direkte orale Antikoagulanzien: In der Praxis angekommen

Foto: PZ/Alois Müller

Die direkten oralen Antikoagulanzien (DOAK) haben den Cumarinen endgültig den Rang abgelaufen: Vier von fünf Patienten erhalten bei Neueinstellung mit einem Gerinnungshemmer ein DOAK. In der Therapie sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Substanzen zu beachten.

Die beiden wichtigsten Indikationen für eine orale Antikoagulation sind Vorhofflimmern (VHF) und venöse Thromboembolien (VTE). VHF ist weitaus häufiger und bei etwa 75 bis 80 Prozent der Patienten der Grund für die Medikation. Da die Prävalenz mit dem Lebensalter steigt, wird die Bedeutung noch zunehmen. »Häufig wird Vorhofflimmern jedoch nicht erkannt«, sagte Professor Dr. Edelgard Lindhoff-Last vom Cardioangiologischen Centrum Bethanien in Frankfurt am Main beim Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming.

Ist die Diagnose VHF gestellt, wird das individuelle Thromboserisiko des Patienten mithilfe des CHA2DS2-VASc-Scores abgeschätzt, in den Risikofaktoren wie Alter, Komorbiditäten und Geschlecht einfließen. Bei VTE hängt die Höhe des individuellen Risikos davon ab, ob es sich um eine einmalige, schon länger zurückliegende oder um eine rezidivierende Thrombose handelt und ob eine Ursache für die VTE, beispielsweise eine relevante Thrombophilie oder eine aktive Tumorerkrankung, auszumachen ist. Auch die Lokalisation ist wichtig: Proximale Thrombosen, also Thrombosen ab dem Knie aufwärts, haben ein höheres Rezidivrisiko als Unterschenkelthrombosen.

Alle vier in Deutschland verfügbaren DOAK, der Thrombin- beziehungsweise Faktor-IIa-Hemmer Dabigatranetexilat (Pradaxa®) sowie die Faktor-Xa-Inhibitoren Rivaroxaban (Xarelto®), Apixaban (Eliquis®) und Edoxaban (Lixiana®), sind sowohl bei VHF als auch bei VTE zugelassen – allerdings je nach Indikation in unterschiedlichen Dosierungen. »Das ist heutzutage unser größtes Problem, denn die Dosierung wird häufig falsch gemacht«, sagte Lindhoff-Last.

Switching oder Dosisreduktion 
Soll bei VTE die Therapie mit Dabigatran oder Edoxaban erfolgen, wird zunächst eine Woche lang Heparin gespritzt, bevor auf zweimal täglich 150 mg Dabigatran beziehungsweise einmal täglich 60 mg Edoxaban geswitcht wird. Abhängig von der Nierenfunktion oder anderen Faktoren sind niedrigere Dosierungen von zweimal täglich 110 mg Dabigatran beziehungsweise einmal täglich 30 mg Edoxaban möglich. »Das Switching ist im klinischen Alltag oft unpraktisch, weil fast alle Patienten mit VTE mittlerweile ambulant behandelt werden«, informierte Lindhoff-Last.

Im Fall der anderen beiden DOAK entfällt das Switching, die Therapie bei VTE startet direkt mit der Tabletteneinnahme, Rivaroxaban mit zweimal täglich 15 mg, Apixaban mit zweimal täglich 10 mg. Hier muss jedoch nach einer gewissen Zeit die Dosis gesenkt werden, bei Rivaroxaban nach drei Wochen auf einmal täglich 20 mg (15 mg falls erforderlich) und bei Apixaban nach einer Woche auf zweimal täglich 5 mg. Bei VHF werden die Dosierungen nicht verändert. Sie entsprechen denen, die bei VTE nach dem Switching beziehungsweise nach den geplanten Dosissenkungen gegeben werden. Einziger Unterschied: Bei Apixaban ist in der Indikation VHF eine reduzierte Dosis von zweimal täglich 2,5 mg möglich, bei VTE nicht.

Insbesondere wenn ein Patient ein erstes Rezept über ein DOAK einlöst, kommt es daher auf die richtige Beratung an. »Rivaroxaban darf nicht auf nüchternen Magen genommen werden, weil es dann nicht ausreichend resorbiert wird. Bei Rivaroxaban und Apixaban muss bei VTE an die Dosisreduktion gedacht werden«, betonte Lindhoff-Last.

Vorteil für Apixaban
Blutungen sind eine schwerwiegende Nebenwirkung jeder gerinnungshemmenden Therapie. Verglichen mit Cumarinen führen DOAK signifikant seltener zu schweren, intrakraniellen und tödlichen Blutungen. Bei Gehirnblutungen ist die Rate sogar halbiert. »Der Grund hierfür ist, dass Cumarine auch den für die Blutgerinnung im Gehirn essenziellen Faktor VII hemmen«, erklärte Lindhoff-Last. Gastrointestinale Blutungen sind aber unter DOAK häufiger, weil bei ihnen die aktive Substanz bereits im Magen-Darm-Trakt vorliegt. Einen Vorteil hat hier Apixaban, das in einer Auswertung von Versichertendaten aus Deutschland sogar mit einer niedrigeren gastrointestinalen Blutungsrate assoziiert war als Phenprocoumon (»Thrombosis and Haemostasis« 2018, DOI: 10.1160/TH17-10-0733).

Beitrag erschienen in Pharmazeutischer Zeitung / 23.01.2019

Donnerstag, 24. Januar 2019|News Schladming|

Asthma-Patienten: Vorsicht bei Augentropfen mit Betablockern

Dass Augentropfen nicht nur lokal, sondern auch systemisch wirken, ist bislang unterschätzt worden. Daher sollten bei Patienten mit Asthma Betablocker enthaltende Augentropfen mit Vorsicht eingesetzt werden. Eine kardioselektive Substanz ist zu bevorzugen.

Betablocker sind bei Patienten mit bronchialer Hyperreagibilität wie Asthma bronchiale kontraindiziert. »Schon eine leichte Betablockade kann bereits zu einer ungebremsten Freisetzung von Acetylcholin und somit zu einer Bronchokonstriktion führen«, sagte Dr. Nina Griese-Mammen, Leiterin des Geschäftsbereichs Arzneimittel bei der ABDA, auf dem Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming. Dadurch erhöht sich das Risiko für Exazerbationen. Dies gilt zumindest für nicht kardioselektive Substanzen. Bei kardioselektiven dagegen ist das Risiko für moderate oder schwere Exazerbationen nicht erhöht, sodass deren Einsatz möglich ist, wenn der kardiale Nutzen der Wirkstoffe höher ist als das pulmonale Risiko.

Häufig werde unterschätzt, dass auch Betablocker in Augentropfen eine relevante systemische Wirkung haben. »Das ist auch den Fachkreisen zum Teil nicht bewusst«, so Griese-Mammen. 90 Prozent des im Auge applizierten Wirkstoffs wird ausgespült und über die Nasenschleimhaut rasch resorbiert und gelangt ohne First-Pass-Effekt in den Blutkreislauf. Problematisch in diesem Zusammenhang ist, dass die am häufigsten in Betablocker-haltigen Augentropfen enthaltene Substanz Timolol die am stärksten nicht kardioselektive ist. Nach einer Erstverordnung von nicht kardioselektiven Betablockern in Augentropfen steigt die Inzidenz von Exazerbationen deutlich, wie eine Metaanalyse von 2016 zeigte (»British Journal of Clinical Pharmacology«). Nach einer Anwendung von mehr als 30 Tagen geht die Inzidenz der Exazerbationen aber zurück. Als Gründe werden hierbei zwei Aspekte diskutiert, berichtete die Pharmazeutin. Zum einen könnte eine Gewöhnung einsetzen, zum anderen könnten empfindliche Patienten früh eine Exazerbation erleiden und die Augentropfen dann absetzen.

In der Glaukomtherapie von Asthmapatienten sind daher Carboanhydrase-Hemmer wie Dorzolamid und Brinzolamid und α-Sympathomimetika wie Brimonidin Mittel der Wahl. Wenn die Gabe eines Betablockers notwendig ist, dann sollte ein kardioselektiver wie Betaxolol bevorzugt werden. Betaxolol hat allerdings den Nachteil, dass es nur in Monopräparaten enthalten ist, weshalb immer noch hauptsächlich Timolol eingesetzt wird. Die Resorption des Wirkstoffs in den systemischen Kreislauf kann vermindert werden, wenn die Patienten nach der Applikation für etwa drei Minuten den Tränenkanal mit dem Finger zudrücken, was in der Praxis nicht immer leichtfällt.

Beitrag erschienen in Pharmazeutischer Zeitung / 24.01.2019

Donnerstag, 24. Januar 2019|News Schladming|

AMTS bei kardiovaskulären Erkrankungen: Wir machen den Weg frei

von Sven Siebenand

Bei der Beratung gilt es, Stolpersteine der Arzneimittelanwendung zu erkennen und für den Patienten aus dem Weg zu räumen. Apotheker machen so den Weg frei für eine wirksame und sichere Therapie. Dass das auch bei kardiovaskulären Erkrankungen gilt, machten beim Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming zwei Offizinapotheker deutlich.

Die Aufklärung über das Einsetzen der Wirkung eines Medikaments und deren Maximum ist eine wichtige Hilfe für Patienten. Darauf wies Steffen Schmidt aus Haltern am See hin. Beispielsweise setze die Wirkung des Betablockers Bisoprolol bereits nach zwei bis vier Stunden ein, also relativ schnell. Die maximale Wirkung werde aber erst nach zwei bis sechs Wochen erzielt.

Dr. Hiltrud von der Gathen aus Recklinghausen betonte, dass der Wirkmechanismus der eingesetzten Medikamente in Patientensprache zu übersetzen ist. Bei einem ACE-Hemmer könne man zum Beispiel sagen, dass das Arzneimittel wie ein Schutzschirm vor körpereigenen Stoffen wirkt, die den Blutdruck erhöhen. Ein Calciumkanal-Blocker lasse sich folgendermaßen erklären: Das Mittel erweitert Blutgefäße und das Herz wird geschont, sodass es nicht mehr so kräftig pumpen muss.

Nebenwirkungen und die Angst der Patienten davor stehen einer erfolgreichen Arzneimitteltherapie häufig im Weg. Tritt eine bestimmte Nebenwirkung bei 1 Prozent der Patienten auf, rät Schmidt dazu, dem Patienten zu sagen, dass 99 von 100 Patienten nicht betroffen sind. Zudem wies er darauf hin, dass Apotheker dem Arzt auch einen Wirkstoffwechsel vorschlagen können, beispielsweise bei peripheren Ödemen unter Amlodipin. Unter einem anderen Calciumkanal-Blocker, nämlich Lercanidipin, trete diese Nebenwirkung viel seltener auf. Deshalb sei er eine gute Alternative. Auch bei Statin-assoziierten Muskelsymptomen sei der Wechsel auf ein anderes Statin oft eine erfolgreiche Maßnahme.

»Ein weiterer wichtiger Stolperstein ist ein unnötig kompliziertes Dosierschema«, sagte von der Gathen. Bei Arzneistoffen wie Amlodipin, Torasemid und Metoprolol sei eine einmal tägliche Einnahme ausreichend. Eine Aufteilung der Dosis sei aber vielfach erlebte Praxis. Auch ungünstige Einnahmezeitpunkte thematisierte die Referentin. Beispielsweise sei die abendliche Einnahme von Metoprolol problematisch, da der Wirkstoff die Melatoninsynthese im zentralen Nervensystem beeinflusst und so zu Schlafstörungen führen kann.

Ratsam ist es auch, die Patienten hinsichtlich der Lagerung von Medikamenten gut zu beraten. Schmidt wies zum Beispiel darauf hin, dass Nifedipin oder Enalapril lichtgeschützt, am besten im Blister, zu lagern sind. Andere Wirkstoffe, etwa Telmisartan oder Enalapril, seien hygroskopisch und sollten daher nicht in feuchten Räumen aufbewahrt werden.

Nitrosprays erklären

Wie von der Gathen verdeutlichte, ist es sinnvoll, mit dem Patienten die Handhabung eines Nitrosprays zu besprechen. Grundsätzlich brauche der Patient zwei Packungen – eine für zu Hause und eine für unterwegs. Sie sollten immer griffbereit und bei maximal 25 Grad Celsius gelagert werden. Da ein Angina-pectoris-Anfall oft in den frühen Morgenstunden auftritt, empfahl die Referentin, das Spray auf dem Nachttisch zu lagern. Die Anwendung des Sprays sollte nicht im Liegen erfolgen, sondern am besten sitzend. Bei der Anwendung im Stehen sollte der Patient zumindest die Möglichkeit haben, sich anzulehnen.

»Sprechen Sie bei der Abgabe nicht von Notfallspray, sondern von Bedarfsspray«, empfahl von der Gathen. Denn die Anwendung sei auch zur Prophylaxe möglich. Patienten sollten mögliche Auslöser eines Anfalls wie Kälte und körperliche Belastung daher kennen. Ein weiterer Fehler in der Anwendung ist der Referentin zufolge, dass die Patienten zu geringe Dosen applizieren. Ein bis drei Hübe im Abstand von 30 Sekunden seien möglich. Darüber hinaus könne die Anwendung nach 10 Minuten wiederholt werden. »Bei bestehenden Symptomen nach 20 bis 30 Minuten liegt ein ärztlicher Notfall vor«, betonte die Apothekerin.

Regelmäßige Kontrollen sind ein wichtiger Bestandteil der Therapie bei kardiovaskulären Erkrankungen. Patienten sollten angeleitet werden, Gewicht, Blutdruck und Puls regelmäßig selbst zu kontrollieren und dies auch zu dokumentieren. Wie die Referenten deutlich machten, sollte auch die Elektrolytwerte, etwa Kalium und Natrium, regelmäßig überprüft werden. Daran könne auch das Apothekenpersonal die Patienten erinnern.

Last but not least stellt die Informationsbeschaffung aus dem Internet heute oft einen weiteren Stolperstein für die Therapie dar. Von der Gathen und Schmidt machten deutlich, dass es oft nicht sinnvoll und teilweise gefährlich ist, Dr. Google nach Rat zu fragen. Manche im Internet erworbenen Präparate, die anstelle von oder zusätzlich zu verordneten Medikamenten eingenommen werden, könnten eine sichere Arzneimitteltherapie und die Gesundheit des Patienten gefährden.

Beitrag erschienen auf wwww.pharmazeutischer-zeitung.de am 24.01.2019

Donnerstag, 24. Januar 2019|News Schladming|
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