Meran

Austausch von Inhalativa: Darauf sollten Apotheker achten

Zur Inhalation bestimmte Arzneimittel wie Dosieraerosole, Pulverinhalatoren und Soft Inhaler sind bislang nicht in die Substitutionsausschlussliste aufgenommen worden. Um einen Compliance-gefährdenden Austausch zu vermeiden, bleibt Apothekern daher nichts anderes übrig, als im Rahmen einer individuellen Risikoabschätzung gegebenenfalls pharmazeutische Bedenken geltend zu machen – falls der Arzt das Aut-idem-Kreuz nicht gesetzt hat. Professor Dr. Rolf Daniels von der Universität Tübingen erläuterte beim Fortbildungskongress Pharmacon in Meran, wann ein Austausch möglich ist und wo er abgelehnt werden muss.

Bei «normalen» Dosieraerosolen sei eine Substitution aus technologischer Sicht unproblematisch. «Sie erfordert aber eine begleitende Beratung, zum Beispiel bei der Anwendung eines Spacers», so der Technologe. Hingegen sei der Austausch eines atemzuginduzierten Abgabesystems gegen ein treibgashaltiges Dosieraerosol ein No-Go und müsse mit pharmazeutischen Bedenken abgelehnt werden.

Bei den Pulverinhalatoren lässt sich Daniels zufolge aus technologischer Sicht keine allgemein gültige Aussage treffen, da immer auch patientenindividuelle Aspekte zu berücksichtigen sind. Dazu zählten zum Beispiel die Handhabung, Atemmechanik und Motorik. Entscheidend sei es, eine Entscheidung zum Wohl des Patienten zu fällen. «Der Patient muss damit gut leben können und nicht die Krankenkasse oder der Arzt», betonte der Referent. (kg)

29.05.2018 l PZ
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Austausch von Inhalativa: Darauf sollten Apotheker achten2018-06-06T11:41:18+02:00

Psoriasis: Therapieerfolg durch Antikörper

In den vergangenen Jahren ist es gelungen, die Entzündungsvorgänge, die bei der Psoriasis in der Haut und zum Teil auch in anderen Organen ablaufen, besser zu verstehen. Das hat zu der Entwicklung vieler neuer Biologika geführt, meist monoklonale Antikörper gegen bestimmte Zytokine, Entzündungsbotenstoffe oder gegen Oberflächenrezeptoren. «Diese greifen gezielt an verschiedenen Stellen der Entzündungskaskade ein, ohne eine generelle Immunsuppression hervorzurufen», verdeutlichte Professor Dr. Claudia Pföhler vom Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg/Saar am Sonntag beim Fortbildungskongress Pharmacon in Meran.

Die Dermatologin stellte verschiedene neue Therapieoptionen vor, darunter die beiden Antikörper Secukinumab und Ixekizumab, die sich gegen Interleukin-17A (IL17A) richten. Secukinumab wurde in der CLEAR-Studie gegen den IL-17- und IL-23-Inhibitor Ustekinumab getestet. «Dabei schnitt Secukinumab bei allen Scores besser ab. Deutlich mehr Patienten erreichten unter Secukinumab ein PASI-75-Ansprechen, also eine Besserung des Hautbilds um 75 Prozent», so Pföhler. Rund 45 Prozent der Patienten seien unter Secukinumab sogar erscheinungsfrei (PASI 100) geworden.

Brodalumab bindet nicht direkt an IL-17A selbst, sondern an seinen Rezeptor. Der IL-17A-Rezeptor spielt auch bei der Signalübertragung einiger anderer Zytokine eine Rolle. Brodalumab habe daher eine deutlich breitere Wirkung als Secukinumab und Ixekizumab, so Pföhler. Unter Brodalumab zeigte sich nach 12 Wochen bei 86 Prozent der Patienten ein PASI-75-Ansprechen. Der neueste Vertreter der Antikörper bei der Indikation Psoriasis ist Guselkumab, ein selektiver Interleukin-23-Inhibitor. «Mit Guselkumab konnte man bei noch mehr Menschen ein PASI-75-Ansprechen erreichen, in Studien bei rund 91 Prozent der Patienten», sagte Pföhler.

Ein wichtiger Hinweis zu Nebenwirkungen: Da IL-17A ist ein wichtiger Faktor in der Immunabwehr von Bakterien und Pilzen auf Haut und Schleimhaut ist, besteht bei der Blockade ein erhöhtes Risiko zum Beispiel für Candida-Infektionen. «Wird die Pilzinfektion aber rechtzeitig erkannt, ist sie gut behandelbar», sagte Pföhler. Es sei daher ratsam, regelmäßig vor und während der Therapie Haut und Schleimhäute zu kontrollieren, insbesondere bei Patienten mit weiteren Risikofaktoren für Candidosen wie einem schlecht eingestellten Diabetes mellitus und schlechtem Zahnstatus. (va)

28.05.2018 l PZ
Foto: PZ/Alois Müller

 

Psoriasis: Therapieerfolg durch Antikörper2018-06-06T11:41:18+02:00

Toleranzinduktion: Sind Autoimmunerkrankungen heilbar?

Die derzeit eingesetzten Arzneistoffe bei Autoimmunerkrankungen adressieren meist proinflammatorische Zytokine und andere Entzündungsbotenstoffe. Ziel solcher Behandlungen ist in der Regel eine Verbesserung der klinischen Parameter. Es sind aber auch zahlreiche andere Therapieansätze denkbar, wie Professor Dr. Theo Dingermann aus Frankfurt am Main beim Pharmacon in Meran betonte. Einige dieser Ansätze könnten auch die Langzeittoleranz fördern, indem sie das entzündliche Milieu dämpfen. «Zur Heilung einer Autoimmunerkrankung muss aber die verlorengegangene Toleranz der B- und T-Zellen wiederhergestellt werden», sagte Dingermann.

Bei einer Autoimmunerkrankung ist das Gleichgewicht zwischen autoreaktiven und regulatorischen T-Zellen (Treg) gestört. Diese Treg-Zellen hemmen normalerweise die Aktivität von autoreaktiven T-Zellen. «Eine heilende Immuntherapie muss die Balance wiederherstellen», wie Dingermann erläuterte. Erreichen lasse sich dies entweder über eine Verringerung der Zahl der autoreaktiven T-Zellen, eine Erhöhung der Zahl der Treg-Zellen oder beide Strategien in Kombination.

In der POINT-(Primary Oral Insulin Trial)-Studie testen Wissenschaftler beispielsweise gerade das Prinzip der oralen Toleranzinduktion zur Prävention von Typ-1-Diabetes. Kinder im Alter zwischen vier und sieben Monaten, die ein erhöhtes Risiko haben, einen Typ-1-Diabetes zu entwickeln, bekommen im Rahmen der Untersuchung oral Insulinpulver verabreicht. Das Insulin wird über die Schleimhäute des Munds und des Verdauungstrakts aufgenommen. «Das Immunsystem soll so tolerant gegenüber dem körpereigenen Insulin werden», so Dingermann. Eine autoreaktive Immunreaktion soll so verhindert werden. Ähnlich gehen die Wissenschaftler auch bei der PINIT-Studie vor. Hier wird das Insulin allerdings nicht oral, sondern per Nasenspray verabreicht. (va)

29.05.2018 l PZ
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Toleranzinduktion: Sind Autoimmunerkrankungen heilbar?2018-06-06T11:41:18+02:00

Typ-1-Diabetes: Gute Unterstützung in jeder Lebensphase

Eine optimale Versorgung von Typ-1-Diabetikern ist Teamarbeit. Im Idealfall werde der Patient von einem Kinder- oder Hausarzt, einem Diabetologen, einem Apotheker, einem Ernährungsberater und weiterer medizinischer Assistenz behandelt, erläuterte der Apotheker Manfred Krüger beim Pharmacon in Meran in seinem Vortrag über interprofessionelles Medikationsmanagement. «Die Betreuung eines Typ-1-Diabetikers ist weitaus mehr als Versorgung», betonte der Apotheker aus Krefeld. Der Diabetiker benötige in der Regel kontinuierlich über sein ganzes Leben medizinische Unterstützung.

Dabei wechseln mit den Lebensphasen die Probleme und Bedürfnisse der Patienten – und auch die medizinische Betreuung. Kinder werden in der Regel vom Kinderarzt betreut, Erwachsene gehen mehrheitlich in eine diabetologische Facharztpraxis, Senioren wenden sich an den Hausarzt. Die öffentliche Apotheke hat laut Krüger die Aufgabe, die Patienten mit den benötigten Medikamenten und Hilfsmitteln zu versorgen. Außerdem ist sie selbstverständlich für Medikationsanalyse und das Medikationsmanagement zuständig.

Nach den Leitlinien der Deutschen Diabetesgesellschaft müssen die verschiedenen Professionen vertrauensvoll zusammenarbeiten. Trotz der umfassenden Betreuung durch medizinische und pharmazeutische Experten sei der Patient selbst die wichtigste Person in dem Geschehen. Das Verhalten und die Einsicht in die Notwendigkeit einer an die Krankheit angepassten Lebensführung sind entscheidend für die Gesundheit und Lebensqualität des Patienten.

Besondere Lebensphasen sind zum Beispiel die Pubertät oder eine Schwangerschaft. Aber auch Situation abseits des normalen Alltags erfordern häufig besondere Umsicht, zum Beispiel Klassenfahrten. Laut Krüger ist das Verhalten der Patienten im Alter von 15 bis 25 Jahren für den weiteren Werdegang der Erkrankung sehr wichtig. Diabetiker, die es in diesem Alter mit dem Insulinspritzen nicht so genau nehmen oder beim Essen unvorsichtig sind, würden sich häufig auch im höheren Alter nicht vernünftig verhalten. Dies habe für den weiteren Lebensweg gravierende Konsequenzen bis hin zu einer deutlich reduzierten Lebenserwartung. Die gute Nachricht: Wer auf seinen Blutzuckerspiegel immer gut achtet, wird im Durchschnitt ähnlich alt wie Menschen ohne Diabetes. (dr)

29.05.2018 l PZ
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Typ-1-Diabetes: Gute Unterstützung in jeder Lebensphase2018-06-06T11:41:18+02:00

Essstörungen bei Typ-1-Diabetes besonders gefährlich

Junge Frauen mit Typ-1-Diabetes leiden etwa doppelt so häufig an einer Essstörung wie stoffwechselgesunde Altersgenossinnen. Verbreitet seien dabei vor allem Bulimie und die als „Insulin-Purging“ bewusste Verknappung von Insulindosen, so die Deutsche Diabetes Hilfe (https://www.diabetesde.org) in einer Pressemitteilung. Ärzte und Verwandte übersehen die Essstörung häufig, da Menschen mit Typ-1-Diabetes nicht unbedingt klassische Symptome aufweisen.

Beim „Insulin-Purging“ verzichten Patientinnen bewusst auf Insulingaben, um Gewicht zu verlieren. „Die Patientinnen spritzen sich bewusst weniger Insulin als notwendig oder stellen die Insulingaben zeitweise ganz ein“, erklärt Professor Dr. med. Stephan Herpertz. „In der Folge bleiben mehr Kohlenhydrate im Blut. Diese Kalorien werden dann über den Urin ausgeschieden.“ Unerkannt und unbehandelt können daraus schwere Stoffwechselentgleisungen und Folgeschäden an Organen wie Herz, Augen, Nieren oder Nerven resultieren.

Häufig hängt die Essstörung mit Selbstwertproblemen und mangelnder Akzeptanz der Erkrankung zusammen. „Diabetes Typ 1 entwickelt sich oft im Jugendalter – also dann, wenn sich die Betroffenen intensiv mit sich selbst auseinandersetzen“, so Herpertz. Mit Beginn der Insulintherapie nehmen viele Patienten an Gewicht zu. Insbesondere bei jungen Frauen führt das zu einer Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper. Betroffene sind zudem ständig mit den Begleitumständen de Diabetes konfrontiert: „Die Themen Ernährung, Insulintherapie und Blutzuckereinstellung sind plötzlich ständige Begleiter.“

„Wenn Gewicht und Blutzuckerwerte stark schwanken, ist das häufig ein Hinweis auf eine Bulimie“, so Herpertz. Aber auch Unzufriedenheit der Betroffenen mit dem eigenen Körper, das Benutzen mehrerer Blutzuckermessgeräte, das Wechseln der Batterien oder des Datums vor dem Arztbesuch und die Verringerung der Anzahl täglicher Blutzuckermessungen können Anzeichen für eine Essstörung sein.

Mehr zum Thema Diabetes gibt es auf diabetesDE (https://www.diabetesde.org) und bei der Deutschen Diabetes Gesellschaft (https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/home.html).

Und natürlich auf dem pharmacon in Meran (https://pharmacon.de)

Essstörungen bei Typ-1-Diabetes besonders gefährlich2018-06-06T11:41:18+02:00

Kiefer: «Wir kümmern uns um jeden einzelnen Patienten»

«Die beste Art der Gesundheitsversorgung ist und bleibt persönlich und unmittelbar – auch in den öffentlichen Apotheken. Daran ändert auch der Beschluss des Deutschen Ärztetags zum Fernbehandlungsverbot nichts», sagte Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK), bei der Eröffnung des internationalen Fortbildungskongress Pharmacon am Sonntag im italienischen Meran. «Weil nach ausschließlicher Fernbehandlung auch nach Vorstellung der Bundesärztekammer keine Rezepte ausgestellt werden dürfen, ändert sich für Apotheken nichts», so Kiefer. Darüber hinaus zeige sich die Überlegenheit der unmittelbaren und persönlichen Versorgung durch wohnortnahe Apotheken auch im Alltag.

Ein Schwerpunkt der Rede des BAK-Präsidenten war die Bedeutung von Arzneimitteln für die Behandlung der Patienten. Tatsächlich wirksam seien sie nur, wenn der Patient vom Apotheker über die Wirksamkeit und Nutzen des Medikamentes informiert werde. Die Beratung der Patienten durch den Apotheker sei auch deshalb so wichtig, weil eine erhebliche Zahl Patienten nur über eine eingeschränkte Lese- und Gesundheitskompetenz verfüge. Rund ein Fünftel der Patienten könnten sich selbst nicht ausreichend über ein verordnetes Arzneimittel und dessen Anwendung informieren. Apotheker übernähmen die Aufgabe, diese Patienten über Anwendung, Risiken und Nutzen von Medikamente ausreichend zu informieren. Der Versandhandel könne diese Leistung nicht anbieten. «Wir Apotheker haben als Heilberufler die Aufgabe, uns um jeden einzelnen Patienten zu kümmern», so Kiefer.

«Studien zeigen, dass viele Bundesbürger Schwierigkeiten damit haben, Gesundheitsinformationen gezielt zu erfassen und zum Bespiel zwischen Information und Werbung zu unterscheiden», stellte Kiefer fest. «Gleichzeitig stellen wir immer wieder fest, dass manche Internetnutzer ihr Wissen überschätzen. Aber eine Google-Suche ersetzt nicht das Expertenwissen des Apothekers.»

In seiner Eröffnungsrede ging Kiefer auch auf das Missbrauchspotential von Arzneimitteln ein. «Medikamente haben Nutzen, aber auch Risiken und dürfen deshalb nur von Apothekern abgegeben werden.» Medikamente – auch rezeptfreie wie zum Beispiel Schmerzmittel – unterscheiden sich damit von Konsumgütern. Auch wenn die Werbung etwas Anderes suggeriere: «Der Mehrverbrauch von Arzneimitteln fördert nicht die allgemeine Gesundheit», konstatierte Kiefer. «Ich rege deshalb an, in Verbrauchermedien wie Fernsehen oder im Internet über ein Werbeverbot für rezeptfreie Arzneimittel mit Missbrauchspotential nachzudenken.» Das Werbeverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel dürfe zudem nicht aufgeweicht werden. An der strikten Regulierung will Kiefer nicht rütteln. «Die gesetzlichen Restriktionen in Deutschland, gibt es aus gutem Grund», sagte Kiefer.

Mit einiger Skepsis sieht der BAK-Präsident die Entscheidung des Deutschen Ärztetages, das Fernbehandlungsverbot zu lockern. Kiefer fürchtet, dass eine Lockerung des Verbotes schwierig zu regulieren sei. Er verwies auch darauf, dass viele Ärzte die Entscheidung des Ärztetages kritisiert hätten. Wenn die Tür erst einmal einen Spalt auch offen sei, dann werde es schwierig, das Rad wieder zurück zu drehen.

Der Präsident der Bundesapothekerkammer machte in seiner Rede deutlich, dass die Apothekerschaft felsenfest davon ausgehe, dass die Politik wie im Koalitionsvertrag vereinbart, das Versandhandelsverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel umsetzen werde. Dazu gebe es keine Alternative. Nach wie vor hätten die Apotheker sehr gute Argumente für das Verbot. (dr)

28.05.2018 l PZ
Foto: PZ/Alois Müller

Kiefer: «Wir kümmern uns um jeden einzelnen Patienten»2018-06-06T11:41:18+02:00

Festvortrag in Meran: Droht Europa der Absturz?

Es ist noch nicht lang her, da glaubten die Europäer in der besten aller Welten zu leben. Der kalte Krieg war vorbei, Russland und die Europäer näherten sich an. Vor 20 Jahren schienen die Vereinigten Staaten von Europa zum Greifen nah, sagte der Staatsrechtler Udo Di Fabio am Sonntag in einem Vortrag bei der Eröffnungsveranstaltung des Pharmacons Meran. Das westliche Konzept mit einer Demokratie, die den Menschen die Möglichkeit gibt, sich selbst zu verwirklichen und zu entfalten, ein Rechtssystem, dass die Würde der Menschen im Blick hat, schien sich weltweit durchgesetzt zu haben. Hat di Fabio Recht, dann drohe diese schönste aller Welten, drohe Europa allerdings der Absturz.

Seit 2001 habe sich die Welt deutlich verändert, sagt der Jurist. Der Terroranschlag auf das World-Trade-Center sei bereits ein Anzeichen gewesen, dass es den vom Westen vermuteten globalen Konsens schon damals nicht gegeben habe. Das Prinzip der Supranationalität sei nicht überall auf Zustimmung getroffen. Stattdessen erlebe der Unilateralismus eine Renaissance. Trumps «America First» mache deutlich, dass die Kooperationsbereitschaft zwischen Staaten geringer werde.

Eine Konsequenz dieser Entwicklung sei der wieder aufstrebende Populismus und Protektonismus. Di Fabio macht dafür nicht nur das Verhalten des US-Präsidenten verantwortlich. Auch in China, der Türkei oder Russland gebe es diese Entwicklung. Der Trend sei global, sagt Di Fabio. Der Jurist mache in seinem Vortrag leider auch keine große Hoffnung, dass das Pendel bald wieder in Richtung Kooperation und Liberalismus ausschlagen werde. Selbst wenn Trump bei der nächsten US-Wahl verlöre, bedeute dies nicht, dass damit eine unschöne Episode ihr Ende gefunden habe. Sollten bei der nächsten US-Wahl die Demokraten gewinnen, dann könne es für die USA noch schlimmer kommen. Es sei dann zu befürchten, dass die Demokraten sich gegenüber anderen Staaten noch stärker abschotten würden. Sie hätten keine Alternative zum Protektionismus.

Ob nun der Westen tatsächlich am Rande des Absturzes steht, ließ Di Fabio offen. Dieser habe sich oft selbst egoistisch verhalten. Wer gegen die westliche Welt rebelliert habe, sei häufig Opfer von Sanktionen gewesen. Allerdings sei Europa weiterhin eine starke Macht mit einer hohen wirtschaftlichen Potenz. Auf der anderen Seite wiederum habe die Flüchtlingskrise in Deutschland und anderen EU-Staaten eindrucksvoll gezeigt, dass Europa nicht unverletzbar ist. Di Fabio: «Es hat sich gezeigt, dass ungeordnete Migrantenströme ein Land in Schieflage bringen können.» (dr)

28.05.2018 l PZ
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Festvortrag in Meran: Droht Europa der Absturz?2018-06-06T11:41:18+02:00

Techniker Krankenkasse stellt Cannabis-Report vor

Medizinisches Cannabis stellt nur selten eine Alternative zu bewährten Therapien dar, kann Patienten aber im Einzelfall helfen. Zu diesem Ergebnis kommt der Cannabis-Report der Techniker Krankenkasse (TK), der in Kooperation mit der Universität Bremen entstanden ist. Er zeigt auch, dass wissenschaftliche Evidenz und die Erwartungen von Patienten mitunter weit auseinander liegen.

So ist die Studienlage zu Wirksamkeit und Sicherheit von Cannabis als Medizin eher dürftig. „Es ist unklar, welchen Patientengruppen Cannabis in welcher Dosis hilft und in welcher Form es am besten verabreicht werden sollte“, sagt Professor Dr. Gerd Glaeske von der Universität Bremen. Mehrere klare Vorteile sehe man jedoch bei cannabinoidhaltigen Arzneimitteln gegenüber pflanzlichem Cannabis. „Tropfen und Kapseln sind einfacher einzunehmen als die Cannabisblüten, die umständlich verdampft und über eine Maske eingeatmet werden müssen.“ Außerdem sei der Wirkstoffgehalt von Dronabinol nicht so starken Schwankungen unterworfen wie der in Cannabisblüten.

Die Erwartungen vieler Patienten an Cannabis als Arzneimittel sind hoch. Sie erwarteten nahezu Wunder, sagt Professor Dr. Michael Schäfer von der Charité in Berlin. „Es ist nicht ganz leicht, ihnen erst einmal Therapie-Alternativen anzubieten, mit denen wir bereits bessere oder überhaupt Erfahrungen haben.“ Viele Menschen meinen außerdem, dass Cannabis ein gutes Medikament sei, weil es pflanzlich ist. In einer Forsa-Umfrage stimmten 66 Prozent der Befragten dieser Aussage zu. 57 Prozent sind überzeugt, dass Cannabis weniger Nebenwirkungen habe als andere Arzneimittel. Dass Cannabis auch als Medikament süchtig machen kann, meinen 61 Prozent.

Am häufigsten wird Cannabis zur Behandlung von Schmerzen unter anderem im Rahmen von Tumorerkrankungen eingesetzt. Anträge wurden aber unter anderem auch zur Behandlung von Lungenerkrankungen, Darmerkrankungen oder einem Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) gestellt. Zwei Drittel der Anträge bezogen sich auf Dronabinol, ein Drittel auf Cannabisblüten.

Den vollständige Cannabis-Report der TK gibt es hier.

Um Cannabis geht es auch auf dem pharmacon in Meran. Hier geht es zum Programm.

Techniker Krankenkasse stellt Cannabis-Report vor2018-09-19T09:37:51+02:00

Denosumab zur Zulassung bei Steroid-Osteoporose empfohlen

Aufgrund der Ergebnisse einer Phase-3-Studie hat der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) empfohlen, den monoklonalen Antikörper und RANKL-Inhibitor Denosumab künftig auch bei Steroid-Osteoporose einzusetzen. Denosumab hatte sich dabei gegenüber der Vergleichsmedikation, dem Bisphosphonat Risedronat, hinsichtlich der Zunahme der Knochendichte als überlegen erwiesen. Dies berichtete unter anderem aerzteblatt.de. Die endgültige Entscheidung der Europäischen Kommission steht noch aus.

Hinsichtlich der Sicherheit von Denosumab und Risedronat zeigte die Studie keine wesentlichen Unterschiede. Da die Anwendung von Bisphosphonaten vielen Patienten jedoch Probleme bereitet, könnte Denosumab für sie einen wichtigen Fortschritt darstellen. So wird Risedronat einmal wöchentlich in Form einer Tablette eingenommen. Die Einnahme muss morgens stehend oder aufrecht sitzend mindestens 30 Minuten vor der ersten Mahlzeit mit Leitungswasser erfolgen. Die Patienten dürfen sich nach der Einnahme nicht mehr hinlegen. Denosumab wird in der derzeitigen Indikation alle sechs Monate als subkutane Injektion gegeben.

Glucocorticoide kommen bei einer Vielzahl chronisch-entzündlicher Erkrankungen zum Einsatz, unter anderem bei Asthma bronchiale, chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) oder Multipler Sklerose. Neben der gewünschten entzündungshemmenden Wirkung kommt es auch zu einer verminderten Calcium-Aufnahme aus dem Darm bei gleichzeitig vermehrter Calcium-Ausscheidung über die Nieren. Osteoporose-Kontrolle und -Prophylaxe sind daher für viele dieser Patienten wichtig.

Den Abstract der Studie gibt es hier.

Hier gibt es Informationen der EMA.

Und hier eine Information des Denosumab-Herstellers Amgen

Denosumab zur Zulassung bei Steroid-Osteoporose empfohlen2018-06-06T11:41:18+02:00

COPD: Bei Exazerbation Corticoid-Kurzzeittherapie über fünf Tage

Um Exazerbationen (akute Verschlechterungen) bei Patienten mit schwerer chronisch obstruktiver Lungenkrankheit (COPD) in den Griff zu bekommen, reicht eine fünftägige Therapie mit oralen Corticoiden in der Regel aus. Dies ist das Ergebnis einer Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration.

Die Übersichtsarbeit schließt fünf Studien mit insgesamt 519 Patienten mit schwerer COPD ein. Diese erhielten orale Corticoide über einen kurzen (drei bis sieben Tage) oder einen längeren (10 bis 15 Tage) Zeitraum. Bei beiden Gruppen zeigten sich keine Unterschiede hinsichtlich des Risikos für ein Therapieversagen oder einen Rückfall, der Zeit bis zur nächsten Exazerbation, den Nebenwirkungen der Therapie, der Länge des Klinikaufenthalts und der Lungenfunktion am Ende der Behandlung. Die Lebensqualität der Patienten wurde nicht beurteilt. Ebenso waren keine Patienten mit leichter oder mittelschwerer COPD in die Studien eingeschlossen.

COPD: Bei Exazerbation Corticoid-Kurzzeittherapie über fünf Tage2018-09-17T15:00:10+02:00