»Vorhersagen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen«, sagt ein Sprichwort. Zweifellos gilt das auch für Ausblicke auf die Arzneimittelforschung, wie sie beim Davoser Kongress um 1985 von prominenter Stelle gewagt wurden. Die Prognosen waren indes, wie wir heute wissen, in den Grundzügen richtig.

Professor Ernst Mutschler, Davos 1975 / Foto: Foto: PZ-Archiv

1971 startete der Winterkongress der Bundesapothekerkammer mit dem Anspruch, den Kolleginnen und Kollegen aktuelle pharmakologische Themen für den Berufsalltag nahezubringen. Das ist während der 50-jährigen Geschichte der Tagung immer so gewesen und ist bis heute das Ziel. Hierzu gehört auch, ab und zu über den Tellerrand hinauszuschauen und einen Blick in die Zukunft zu wagen. Wie aus erhalten gebliebenen Vortragsmanuskripten hervorgeht, wagte Professor Ernst Mutschler in den 1980er-Jahren bei Vorträgen, unter anderem in Davos, die folgende Prophezeiung, die er Aussagen amerikanischer Wissenschaftler entlehnt hatte: 

»Natürlich vorkommende Stoffe werden zukünftig in ihrer Bedeutung als Pharmaka abnehmen. Sie werden in zunehmendem Maße durch ›maßgeschneiderte‹ Peptide und mit dem Computer entwickelte Synthetika ersetzt werden. Dies wird das große Finale der synthetischen Pharmaka sein, die letztendlich durch Genkontrolle abgelöst werden.« Schauen wir, was daraus geworden ist.

Vom Naturstoff zur Gentherapie

Tatsächlich hat die Bedeutung der Naturstoffe nicht nennenswert abgenommen. Die amerikanischen Wissenschaftler David J. Newman und Gordon M. Cragg erheben in Fünfjahresrhythmen die Herkunft der neu zugelassenen Arzneimittel. Die letzte, 2016 im »Journal of Natural Products« veröffentlichte Analyse zeigt, dass Naturstoffe oder davon abgeleitete Derivate nach wie vor einen signifikanten Anteil am innovativen Arzneischatz haben. Der Anteil naturstoffverwandter Stoffe an der Zahl der Neuzulassungen ist seit 35 Jahren mehr oder weniger konstant geblieben. Er liegt zwischen 20 und 40 Prozent… Hier weiterlesen!

Erschienen auf www.pharmazeutische-zeitung.de am 02.12.2019