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Mammakarzinome: Sterblichkeit sinkt dank zunehmender Therapieoptionen

Brustkrebs stellt die häufigste Krebserkrankung bei Frauen dar; bei Frauen zwischen 35 und 55 Jahren ist er die häufigste Todesursache. Dennoch ist die Prognose vergleichsweise gut, und die Sterblichkeit nimmt dank immer besserer Behandlungsmöglichkeiten seit Jahren stetig ab. Sie reichen von Operation und Bestrahlung über Chemotherapie und Antihormontherapie bis hin zu molekularbiologischen Therapien. Dabei gilt auch: Je früher eine Brustkrebserkrankung erkannt wird, umso besser lässt sie sich behandeln.

Neben den Folgen der Krebserkrankung fürchten viele Patienten vor allem die Nebenwirkungen der Therapie. An Übelkeit und Erbrechen denken viele dabei an erster Stelle. Diese treten häufig bei einer einer Chemotherapie auf, doch nicht alle Therapien wirken gleichermaßen emetogen. Bei einer Therapie mit Aromatasehemmern stehen vor allem Muskel- und Gelenkschmerzen im Vordergrund, bei einer antihormonellen Therapie eher Hitzewallungen und Schlafstörungen.

Differenzierungen gibt es außerdem innerhalb einzelner Nebenwirkungen. So tritt etwa akutes Erbrechen während oder innerhalb von 24 Stunden nach der Chemotherapie auf. Es wird durch den Neurotransmitter Serotonin vermittelt. Auch danach kann es noch den Beschwerden kommen kommen. Treten diese innerhalb der ersten fünf Tage nach der Chemotherapie auf, spricht man von einem verzögerten Erbrechen. Aber auch schlechte Vorerfahrungen und psychisch belastende Situationen können zu den Symptomen führen. Hier spricht man von antizipatorischem Erbrechen.

Mehr zu diesem spannenden Thema gibt es auf dem pharmacon in Meran im Vortrag von Professor Dr. Dorothea Fischer, Leitende Chefärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Klinikum Ernst von Bergmann, Potsdam.

Arzneimittel-Anwendung: Vorausschauend beraten

Ebenso wichtig wie mögliche Wechselwirkungen zwischen Wirkstoffen sind die Interaktionen zwischen dem Patienten und seinem Arzneimittel. So können Schwierigkeiten bei der Arzneimittel-Anwendung durch eine bestehende Grunderkrankung und/oder ihre Behandlung, aber auch irritierende Begleiteffekte dazu führen, dass Patienten ihr Arzneimittel nicht korrekt oder schlimmstenfalls gar nicht mehr anwenden. Vielen dieser Schwierigkeiten lässt sich durch eine vorausschauende Beratung vorbeugen.

So kann beispielsweise Mundtrockenheit, die unter anderem durch anticholinerge Wirkungen oder Nebenwirkungen von Arzneimitteln verursacht wird, die sonst ganz einfache Einnahme von Tabletten erschweren. Maßnahmen, die den Speichelfluss anregen, befeuchtende Präparate für die Mundschleimhaut oder spezielle Schluckhilfen können hier Abhilfe schaffen und dem Patienten die Anwendung peroral anzuwendender Arzneimittel erleichtern.

Zu Irritationen kann es hingegen kommen, wenn eine Arzneitherapie beispielsweise zu einer Verfärbung des Stuhls führt. So färben Kohle und Eisen den Stuhl schwarz, Ethacridin und Nystatin hingegen gelb. Auch eine rosa Verfärbung ist möglich, nämlich durch Pyrviniumembonat. Ein frühzeitiger Hinweis im Beratungsgespräch reduziert das Risiko, dass Patienten ihr Arzneimittel absetzen, weil sie etwa eine Vergiftung befürchten.

Viele weitere Tipps zur vorausschauenden Beratung gibt es auf dem pharmacon in Meran im Vortrag von Dr. Hiltrud von der Gathen, freiberufliche Apothekerin, Referentin für Fortbildungen der Apothekerkammern und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesapothekerkammer.

Die Zukunft Europas – wie geht es weiter nach Brexit, Trump & Co.?

Topaktuell ist die Eröffnungsrede, die die Besucher des pharmacon 2017 in Meran erwarten dürfen. Denn im europäischen Superwahljahr 2017, in dem die Europäische Union krisengeschüttelt wie noch nie zuvor ist, wird ein profilierter deutscher EU-Politiker mit großer Expertise die Keynote übernehmen. Alexander Graf Lambsdorff (FDP) ist nicht nur Vizepräsident des Europäischen Parlaments und Vorstandsmitglied der Organisation Atlantik-Brücke e. V., sondern auch Gründungsmitglied der Deutsch-Türkischen Stiftung (DTS) in Hamburg.

Der ausgebildete Diplomat verfügt daher über ein exzellentes Know How zu den im Moment drängenden Problemen: Wie geht es mit der EU weiter? Welche Auswirkungen hat der Brexit auf den europäischen Wirtschaftsraum? Wie entwickeln sich die Beziehungen zu den „neuen“ USA unter Präsident Donald Trump? Und nicht zuletzt: Wohin steuert das Verhältnis zwischen der EU und der Türkei?

Profilierte Antworten auf alle diese Fragen dürfen die pharmacon-Besucher von Alexander Graf Lambsdorff erwarten, der nicht zuletzt auch durch sein rhetorisches Talent und seine klare Positionierung bekannt ist. Seien Sie also dabei, wenn der pharmacon in Meran startet und sichern sich zudem den attraktiven Vorverkaufspreis. Denn Spannung ist dabei garantiert.

 

Neue Wirkstoffe und wirksame Neuigkeiten: der pharmacon Meran 2017

die pharmacon-Kongresse stehen seit über 50 Jahren für wertvolle Einsichten und die neuesten Erkenntnisse zu aktuellen pharmazeutischen Themen. So auch in Meran 2017 – wo es vom 21. bis zum 26. Mai unter anderem um die folgenden hoch relevanten Themen gehen wird: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gastrointestinaltrakt, Tumortherapie. Melden Sie sich jetzt noch für den pharmacon in Meran an.

Medikationsmanagement: Besondere Herausforderungen bei Krebspatienten

Besonders für Krebspatienten ist Medikationsmanagement besonders wichtig. Hier birgt es jedoch zusätzliche Herausforderungen, und das aus verschiedenen Gründen: So erkranken viele Patienten in einem höheren Lebensalter, in dem auch ohne Erkrankung manches schwerer fällt als in den Jahren zuvor. Durch Vorerkrankungen starten viele zudem bereits mit einer Polymedikation in die antitumorale Therapie. Nicht zuletzt beeinträchtigen deren erhebliche Nebenwirkungen die Lebensqualität der Patienten sehr und können darüber hinaus den Therapieerfolg gefährden.

Neben dem gängigen Medikationsmanagement, zu dem unter anderem eine Arzneimittelanamnese und ein Interaktionscheck gehören, benötigen sie daher weitere Unterstützung, vor allem im Umgang mit den Nebenwirkungen der antitumoralen Therapie. Zu diesen gehören häufig  Übelkeit und Erbrechen, Mukositis, Fatigue und Schmerz. Im Multiprofessionellen MedikationsManagement, kurz: MuMM, arbeiten alle an der Betreuung des Patienten beteiligten Berufsgruppen zusammen.

Über grundlegende Aspekte und bisher Erreichtes referiert auf dem pharmacon in Meran Professor Dr. Ulrich Jaehde, Leiter des Bereichs Klinische Pharmazie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Medikationsmanagement bei Krebspatienten – kein Thema nur für die Klinik, denn durch die Möglichkeit, antitumorale Therapien zunehmend auch oral anzuwenden, erfolgt die Betreuung der Patienten auch im ambulanten Bereich.

Orale Antikoagulation: Umdenken erforderlich

Nach rund 50 Jahren Erfahrung in der Antikoagulation mit Vitamin-K-Antagonisten wie Warfarin und Phenprocoumon, machen die neuen beziehungsweise direkten Antikoagulanzien (NOAK beziehungsweise DOAK) in mancher Hinsicht ein Umdenken erforderlich.

So entfallen bei den neuen Substanzen die individuelle Therapieeinstellung, die regelmäßigen Kontrollen durch INR-Messungen und das „Bridging“ vor Operationen. Bei diesem musste die Einnahme des Vitamin-K-Antagonisten frühzeitig unterbrochen und durch die Gabe eines Heparins überbrückt werden, um das Blutungsrisiko während des Eingriffs gering zu halten. Der schnelle Wirkeintritt der NOAKs und vor allem deren ebenso schnelles Wirkende erlauben nun die Durchführung kurzfristig anberaumter Operationen.

Information und Beratung des Patienten durch die Apotheke sind jedoch auch bei den scheinbar bequem anzuwendenden NOAKs unerlässlich. So muss der Patient wissen, dass für eine zuverlässige Antikoagulation auch bei den neuen Substanzen eine große Einnahmedisziplin erforderlich ist, denn ebenso schnell, wie die Wirkung der NOAKs eintritt, ist sie auch wieder beendet. Auch bei älteren Patienten häufig reduzierte Organfunktionen und nicht selten umfangreiche Komedikationen gilt es zu beachten.

Wie die neuen oralen Antikoagulanzien die Therapie veränderten und noch weiter verändern – denn die Entwicklung ist noch längst nicht abgeschlossen –, berichtet auf dem pharmacon in Meran Professor Dr. Susanne Alban, Direktorin des Pharmazeutischen Instituts der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel in ihrem Vortrag.

CRISPR/Cas: Hintergründe, Hoffnungen und Befürchtungen

Das Spektrum denkbarer Anwendungen von CRISPR/Cas ist weit: vom Einsatz in der Pflanzenzüchtung bis hin zur Heilung schwerer genetisch bedingter Krankheiten beim Menschen. Eine Variante stellt die „gene drive Methode“ dar. Mit ihr lassen sich Eigenschaften von krankheitsübertragenden Vektor-Organismen (beispielsweise der Malaria-übertragenden Anopheles-Mücke) beeinflussen: So lässt sich in den Krankheits-übertragenden Organismen etwa Immunität gegenüber Parasiten induzieren – aber auch Sterilität, was letztlich zum Aussterben der Art führen würde.

CRISPR steht für „clustered regularly interspaced short palindromic repeats“ (sich wiederholende, kurze, gegenläufige Genabschnitte), Cas für CRISPR-associated genes (Gene in direkter Nachbarschaft zu CRISPR).  Sie gehören zu den Abwehrmechanismen, mit denen Bakterien eingedrungene Phagen unschädlich machen. CRISPR/Cas funktioniert jedoch nicht nur bei ihnen, sondern nach Anpassung in vielen anderen – auch höheren – Organismen. Das Verfahren erlaubt, DNA punktgenau zu zerschneiden und bestimmte Erbinformationen zu entfernen, zu modifizieren oder zu ersetzen – und dies schneller und preiswerter als zuvor.

Viele Hoffnungen, aber auch Befürchtungen verbinden sich mit CRISPR/Cas. Die Grundlagen des spannenden Verfahrens und ausgewählte Anwendungsbeispiele erläutert Professor Dr. Theo Dingermann, Institut für Pharmazeutische Biologie der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main, in seimem Vortrag auf dem pharmacon in Meran.

Drug Targeting: Aktive Forschungsrichtung mit Teilerfolgen

Nanoteilchen stellen eine von weiteren Strategien dar, um Arzneistoffe zielgenau an einen Wirkort zu transportieren. Ein Problem: Injiziert man sie intravenös in die Blutbahn, können sie diese nur durch sogenannte Endothelfenster wieder verlassen, um an entfernte Wirkorte zu gelangen. Diese Fenster gibt es etwa in den Nieren, der Leber, der Aderhaut der Retina oder in Tumoren. Ein weiteres Problem stellt die hohe Aufnahme der Teilchen durch die Leber dar.

Dennoch kann es gelingen, Nanoteilchen beim Drug Targeting nutzbar zu machen, etwa durch eine Anwendung im Gefäßsystem selbst. So rücken Erkrankungen in den Fokus, die man mit Drug Targeting lange Zeit nicht in Verbindung gebracht hat, zum Beispiel die diabetische Retinopathie oder die altersbedingte Makuladegeneration.

Zuvor standen vor allem Tumorerkrankungen im Zentrum der Drug-Targeting-Forschung. Entsprechende Entwicklungen sollten es möglich machen, die toxischen Wirkstoffe zielgerichtet in das Tumorgewebe zu transportieren, um eine bessere Wirkung zu erreichen und nicht zuletzt, um die erheblichen Nebenwirkungen vieler Therapien zu reduzieren.

Mehr zu dem spannenden Thema gibt es auf dem pharmacon im Vortrag von Professor Dr. Achim Göpferich, Lehrstuhl für Pharmazeutische Technologie an der Universität Regensburg.

Hypertonie: Therapietreue häufig mangelhaft

Dass viele Bluthochdruck-Patienten es mit der regelmäßigen Einnahme ihrer Arzneimittel nicht so genau nehmen, ist lange bekannt und wird durch eine aktuelle Untersuchung aus den Niederlanden bestätigt. (DOI: 10.1161/HYPERTENSIONAHA.116.08818). Der Untersuchungsgegenstand war dabei allerdings ein anderer: Die Wissenschaftler wollten die Effekte der renalen Denervation mit denen der konventionellen Bluthochdrucktherapie vergleichen. Um Aussagen machen zu können, musste dabei auch die konsequente Anwendung der Arzneimittel überprüft werden.

Dabei zeigte sich, dass nur rund 20 Prozent der Patienten, die wegen ihres resistenten Bluthochdrucks einen Spezialisten aufgesucht hatten, die verordnete Therapie auch zuverlässig anwendete. „Weitere 20 Prozent nahmen keines ihrer Blutdruck-Medikamente“, berichtet Peter Blankestijn vom University Medical Center Utrecht im Fachmagazin „Hypertension“. Insgesamt 134 Probanden mit therapieresistentem Bluthochdruck hatten an der Studie teilgenommen.

„Es gibt viele effektive Blutdruckmittel und die Mehrheit der Bluthochdruck-Patienten kann erfolgreich behandelt werden“, sagte Blankestijn. Wer Vorbehalte gegen das verordnete Arzneimittel hege, sollte dies mit seinem Arzt besprechen, damit dieser ein anderes auswählen könne, riet er.

Die Therapie des Bluthochdrucks und Maßnahmen zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) sind auch Thema auf dem diesjährigen pharmacon in Meran. Es referiert Dr. Eric Martin, Inhaber der Hubertus-Apotheke in Marktheidenfeld, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesapothekerkammer und der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker.

Nicht-alkoholische Fettleber: unauffällig, aber ernstzunehmen

Weltweit weisen rund 20 bis 30 Prozent der Erwachsenen eine nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD) auf. Je nach Region können diese Werte jedoch stark abweichen. Höheres Lebensalter, ein erhöhter Body-Mass-Index – insbesondere mit viszeraler Adipositas –, eine erhöhte Kalorienzufuhr und das Vorliegen einer Insulinresistenz beziehungsweise eines Typ-2-Diabetes sind häufig mit einer NAFLD assoziiert. Bewegungsmangel stellt einen von der Ernährung unabhängigen Risikofaktor dar. Symptome treten dabei nur selten auf. So verspüren einige Betroffene allenfalls unspezifische Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Druck im Oberbach oder fehlende Energie im Alltag.

Auch wenn sie kaum Beschwerden verursacht, muss man eine NAFLD ernst nehmen. So kommt es bei rund der Hälfte der Betroffenen zu einer Leberentzündung, einer nicht-alkoholischen Steatohepatitis (NASH). Bei rund 10 Prozent dieser Patienten entwickelt sich über eine Bindegewebsvermehrung zunächst eine Leberfibrose und später durch Vernarbungen eine Leberzirrhose, die eine Lebertransplantation erforderlich machen kann. Eine NASH kann außerdem das Risiko für ein Leberzellkarzinom (HCC) sowie für Erkrankungen anderer Organsysteme höhen.

Mehr zu diesem ebenso wichtigen Thema gibt es auf dem pharmacon im Vortrag „Ursache, Pathophysiologie und Therapie der nichtalkoholischen Fettleber“ von Professor Dr. Michael Trauner, Abteilungsleiter Gastroenterologie & Hepatologie an der Universitätsklinik Innere Medizin III, Wien.