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PZ-Innovationspreis: Wer wird Arzneistoff des Jahres?

Auf dem pharmacon in Meran wird auch in diesem Jahr der PZ-Innovationspreis verliehen. Pharmacon.de sprach mit Apotheker Sven Siebenand, stellvertretender Chefredakteur der Pharmazeutischen Zeitung (PZ). In seinem pharmacon-Vortrag stellt er die wichtigsten neuen Arzneistoffe des Jahres 2017 vor. Im Anschluss findet die Verleihung des PZ-Innovationspreises statt.

 pharmacon.de:  Herr Siebenand, wer wird in diesem Jahr den PZ-Innovationspreis erhalten?

Siebenand: Das wird natürlich jetzt noch nicht verraten. Aber so viel kann ich sagen: Die Wahl fiel auch in diesem Jahr nicht leicht. Infrage kamen alle 35 Arzneistoffe, die 2017 neu auf den Markt gekommen sind. Der PZ-Innovationspreis ist übrigens ein unabhängiger Preis, für den sich die Hersteller nicht bewerben können.

pharmacon.de: Wer hat denn die größten Chancen auf die Auszeichnung?

Siebenand: Gute Chancen haben natürlich die Sprunginnovationen. Das sind im Jahrgang 2017 elf Substanzen. Hier wären zum Beispiel die zwei Januskinasehemmer zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis zu nennen und Dupilumab, ein Antikörper, der neu in die Neurodermitis-Therapie eingeführt wurde. Nusinersen ist eine neue Antisense-Therapie bei Spinaler Muskelatrophie. Der PZ-Innovationspreis berücksichtigt nicht nur wissenschaftliche Aspekte, sondern auch therapeutische und nicht zuletzt die Relevanz für die öffentliche Apotheke.

pharmacon.de: Wer entscheidet, wer der Preisträger sein wird?

Siebenand: Die Entscheidung fällt ein Expertengremium aus Offizin-Apothekern, Hochschullehrern und ABDA, der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Darüber hinaus konnten die Leser der Pharmazeutischen Zeitung online ein Votum abgeben. Auch hier sieht man, dass nicht wissenschaftliche Exotik im Fokus steht, sondern vor allem der therapeutische Nutzen. Dass die Verleihung auf einem großen Fortbildungskongress stattfindet, hat ebenfalls einen guten Grund. Arzneistoffe zu bewerten und einzuordnen, gehört ja zur Expertise und zum Kern des Apothekerberufs.

Mehr zu den neuen Arzneistoffen und zum PZ-Innovationspreis gibt es auf dem pharmacon in Meran, dessen Programm bereits jetzt hier eingesehen werden kann.

Wer sich gern vorab informieren möchte, findet in der Wirkstoff-Datenbank der PZ zahlreiche Informationen. Die neuen Wirkstoffe des Jahres 2017 kann man sich dort schnell und übersichtlich unter dem Menüpunkt „Jahrgang“ anzeigen lassen.

 

 

PZ-Innovationspreis: Wer wird Arzneistoff des Jahres? 2018-04-13T11:17:30+00:00

Neues pharmacon-Format: Das Round-Table-Gespräch

Um den Ursachen von Patienten-Problemen auf den Grund zu gehen und Lösungen zu entwickeln, benötigt man zweierlei: Das aktuelle Wissen in Sachen Pathophysiologie und Pharmakotherapie und ein breites Erfahrungswissen aus der Betreuung von Patienten. Beides trifft sich auf dem pharmacon in Meran zum Round-Table-Gespräch, einem neuen Format zusätzlich zu den bewährten Vorträgen und Seminaren.

Das Thema des ersten Round-Table-Gesprächs greift eines der Schwerpunktthemen des Kongresses auf: die Beratung von Patienten mit Atemwegserkrankungen wie Asthma und chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) im Rahmen der Medikationsanalyse. Das pharmazeutische Universitätswissen von drei Jung-Approbierten trifft dabei auf den pharmazeutischen Erfahrungsschatz der praxiserprobten Kollegin Hiltrud von der Gathen. Das neue Format richtet sich damit ebenso an junge Apotheker wie an erfahrene Kollegen, denn es geht gleichermaßen um das Wissen selbst wie auch um den verständlichen Wissenstransfer.

Das vollständige Programm des pharmacon kann bereits jetzt hier eingesehen werden.

Neues pharmacon-Format: Das Round-Table-Gespräch 2018-04-13T11:19:15+00:00

Multiple Sklerose: Patientenzahlen gestiegen

Die Zahl der Patienten mit Multipler Sklerose (MS) hat sich in den vergangenen 40 Jahren verdoppelt. Dies meldet die Ärztezeitung in einem Bericht zur Fortbildungsveranstaltung Neuro Update. Auch Zahlen des im Dezember aktualisierten Versorgungsatlas des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung weisen demnach in diese Richtung.

Die Zahlen: Bisher ging man häufig noch von 120 000 MS-Patienten in Deutschland aus. Lege man jedoch eine Prävalenz von 210 pro 100 000 Einwohner zugrunde, wie sie für Norwegen ermittelt wurde, beziehungsweise 230 bis 300 Patienten pro 100 000 für Italien, dann komme man in Deutschland auf 170 000 bis 240 000 MS-Patienten, so die Ärztezeitung. Diese Zahl deckt sich in etwa mit der Zahl von 223 000 gesetzlich versicherten Patienten, laut Versorgungsatlas im Jahr 2015 behandelt wurden.

Eine bessere Diagnostik und wirksamere Therapien tragen dazu bei, dass die Prävalenz steigt, denn MS-Patienten haben heute eine deutlich höhere Lebenserwartung als noch vor 30 oder 40 Jahren. Warum auch die Inzidenz für MS wie auch die für andere Autoimmunerkrankungen gestiegen ist, ist derzeit noch unklar. Dass niedrige Vitamin-D-Spiegel und Rauchen bei MS eine große Rolle spielen, gilt als gesichert.

Mehr zum Thema MS gibt es auf dem pharmacon in Meran. Das Programm kann bereits jetzt hier eingesehen werden.

Multiple Sklerose: Patientenzahlen gestiegen 2018-04-06T11:25:53+00:00

Psoriasis: Interleukin-23-Hemmer im Kommen

Mit Guselkumab wurde im vergangenen Jahr der erste Interleukin (IL)-23-Hemmer zur systemischen Therapie der Psoriasis zugelassen. Mit Tildrakizumab und Risankizumab stehen bereits zwei weitere IL-23-Hemmer in den Startlöchern. Ihre Zielstruktur, IL-23, gilt als wichtiger Botenstoff für die Entstehung von Autoimmunerkrankungen wie der Psoriasis. So spielt IL-23 eine wichtige Rolle beim Überleben von TH17-Zellen. Diese wiederum produzieren unter anderem IL-17, aber auch den Tumornekrosefaktor-α (TNF-α) und IL-6. Die Zulassung für Tildrakizumab wurde im vergangenen Jahr beantragt.

Welche Entzündungsvorgänge der Psoriasis und der Neurodermitis zugrunde liegen und wie moderne Biologika in diese Prozesse eingreifen können, erläutert auf dem pharmacon in Meran Professor Dr. Claudia Pföhler, Universitätsklinikum des Saarlandes Homburg/Saar. Über wichtige neue Arzneistoffe des Jahres 2017 referiert Sven Siebenand, Apotheker und stellvertretender Chefredakteur der Pharmazeutischen Zeitung. Neue Arzneimittel vor der Zulassung stellt Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Universität Frankfurt am Main, vor.

Das Programm des pharmacon kann bereits jetzt hier eingesehen werden.

Psoriasis: Interleukin-23-Hemmer im Kommen 2018-03-26T14:00:32+00:00

Neurodermitis: Positives IQWiG-Votum für Dupilumab

Im vergangenen Jahr wurde mit Dupilumab der erste monoklonale Antikörper für die Therapie erwachsener Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis zugelassen. Er hemmt spezifisch zwei für die entzündliche Reaktion zentrale Botenstoffe, die Interleukine (IL) 4 und 13, und stellt damit einen neuen Ansatz in der Therapie der atopischen Dermatitis dar. Nun hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) der neuen Therapieoption einen Hinweis auf einen Zusatznutzen attestiert.

Bezüglich Linderung der Symptome wie Hautausschlag und starkes Jucken sowie von dadurch bedingten Schafstörungen zeigte die Behandlung mit Dupilumab im Vergleich mit der Standardtherapie deutliche Vorteile. Auch die Lebensqualität der Patienten stieg deutlich. Allerdings traten als unerwünschte Wirkungen auch Augenerkrankungen häufiger auf.

Mehr zum Thema Biologika in der Behandlung der chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen Neurodermitis und Psoriasis gibt es auf dem pharmacon in Meran im Vortrag von Professor Dr. Claudia Pföhler, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Universitätsklinikum des Saarlandes Homburg/Saar.

Das Programm des pharmacon kann bereits jetzt hier  eingesehen werden.

Neurodermitis: Positives IQWiG-Votum für Dupilumab 2018-03-23T11:21:35+00:00

Meran 2018: Die Themen

Autoimmunerkrankungen bilden in diesem Jahr den Schwerpunkt der ersten Kongresstage des pharmacon in Meran. Rund 5 bis 8 Prozent der Bevölkerung leiden an einer oder mehrer dieser Erkrankungen. Neben der Entstehung der fehlenden Selbsttoleranz geht es um deren Überwindung, der Toleranzinduktion, und natürlich um Grundlagen und Therapien häufiger Erkrankungen: chronisch-entzündliche Hauterkrankungen, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Typ-1-Diabetes und Multiple Sklerose.

Um aktuelle Aspekte von Atemwegserkrankungen geht es in den Vorträgen zum zweiten Themenschwerpunkt: Wie gefährlich sind Feinstaub, Diesel, Abgas und Ruß wirklich? Grundlagenwissen zu Asthma und zur chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) und deren nicht immer einfache Abgrenzung voneinander fehlen dabei ebenso wenig wie Besonderheiten in der Therapie, etwa beim Austausch von Inhalativa oder der Medikationsanalyse bei Patienten mit Atemwegserkrankungen.

Lebererkrankungen bilden den dritten Kongress-Schwerpunkt. Neben häufigen Erkrankungen wie Hepatitiden oder Leberzirrhose geht es um Wechselwirkungen zwischen Wirkstoffen und dem zentralen Organ des Intermediärstoffwechsels: um Leberschäden durch Arzneimittel, aber auch um AMTS-relevante Aspekte der Leber.

Meran 2018: Die Themen 2018-03-12T12:39:07+00:00

Gentests: „Das Arzneimittel bekommt eine Diagnostik“

Mittels Gentest vorhersagen, ob Wirkungen und Nebenwirkungen bei einem Patienten zu erwarten sind – diese Möglichkeit stellte Professor Dr. Theo Dingermann, Universität Frankfurt am Main, auf dem pharmacon in Schladming vor. Dabei stellte er klar, dass nicht der Patient und seine möglichen Erkrankungen Ziel der Untersuchung sind, sondern dessen Ausstattung mit für die Arzneimittelwirkung entscheidenden Enzymen und Transportsystemen.

Der Test erlaubt es, bereits vor dem Start einer Pharmakotherapie Responder, Teilresponder und Non-Responder voneinander zu unterscheiden. Dabei werden Patienten – jeweils bezogen auf ein bestimmtes Enzym oder Transportsystem – einer Gruppe zugeordnet: Extensive metabolizer besitzen die normale Enzymausstattung und verstoffwechseln den Wirkstoff wie erwartet. Intermediate metabolizer verfügen über die Hälfte des Enzyms, poor metabolizer über gar kein aktives Enzym; beide bauen denselben Wirkstoff langsamer bis praktisch gar nicht ab. Bei ihnen besteht das Risiko, dass der Arzneistoff im Körper kumuliert und damit das Risiko für Nebenwirkungen steigt. Ultra rapid metabolizer bauen infolge einer überdurchschnittlich hohen Enzymausstattung den Arzneistoff sehr viel schneller ab. Dieser wirkt bei ihnen entsprechend weniger oder gar nicht.

Es handele sich nicht um eine personalisierte Therapie, sondern um eine stratifizierte, so Dingermann weiter. Die Gruppenzuordnung erlaube, nicht erst im Verlauf einer Therapie sondern bereits vorher, für die Patienten eine geeignete Behandlung auszuwählen und/oder die Dosis anzupassen.

Gentests: „Das Arzneimittel bekommt eine Diagnostik“ 2018-02-26T13:44:41+00:00

Kopfschmerz am häufigsten primär

Patienten vermuteten als Ursache für ihren Kopfschmerz mitunter eine ernste Erkrankung, sagte PD Dr. Charly Gaul, Chefarzt der Migräne- und Kopfschmerzklinik in Königstein, auf dem pharmacon in Schladming. Man spricht dann von einem sekundären Kopfschmerz. Dies könne eine ausgiebige Diagnostik nach sich ziehen. Ein sekundärer Kopfschmerz trete jedoch nur bei 7,8 Prozent der Patienten auf. Diese Zahl schließt bereits die Gruppe der Neuralgien ein. In den allermeisten Fällen (92 Prozent) handele es sich vielmehr um einen primären Kopfschmerz, also um einen Kopfschmerz, dem keine andere Erkrankung zugrunde liegt. Nur 0,2 Prozent der Kopfschmerzen ließen sich nicht klassifizieren.

Doch auch wenn sich hinter Kopfschmerzen mit hoher Wahrscheinlichkeit keine ernsten Erkrankungen verbergen, sollte man die Warnzeichen eines sekundären Kopfschmerzes kennen. Wenn Patienten etwa von einem „Donnerschlagkopfschmerz“ berichteten oder von Kopfschmerzen „wie sie vorher noch nie aufgetreten waren“, dann sollte der Patient an einen Arzt verwiesen werden. Das gelte auch für Patienten ab 50 Jahren mit einem neu aufgetretenen Kopfschmerz sowie für Patienten, die auch ungewöhnliche Begleitsymptome, Fieber oder Verletzungen berichten. Krampfanfälle, Auffälligkeiten im neurologischen Befund sowie psychiatrische Auffälligkeiten stellen weitere Warnsymptome dar.

Kopfschmerz am häufigsten primär 2018-02-19T12:53:10+00:00

Wie sich das Gehirn im Tiefschlaf entrümpelt

Nicht nur um die Eindrücke des Tages verarbeiten zu können, benötigt der Körper ausreichend Schlaf in guter Qualität. Das Gehirn verfüge durch das glymphatische System auch über einen Selbstreinigungs-Mechanismus, erläuterte Professor Dr. Hans Förstl, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der TU München, auf dem pharmacon in Schladming.

Beim glymphatischen System handelt es sich um ein lymphähnliches System im Gehirn aus mit Hirnwasser gefüllten Zellzwischenräumen. Während der Tiefschlafphase werden dabei nicht mehr benötigte Stoffwechselprodukte aus dem Hirngewebe in die Gehirn-Venen gespült und von dort mit dem Blutstrom abtransportiert. Wissenschaftler vermuten eine Verbindung zwischen einer Störung dieser Reinigungsfunktion infolge chronischer Schlafstörungen und manchen Erkrankungen des Gehirns, etwa einer Alzheimer-Demenz. Bei intakter Schlafarchitektur werde Amyloid mit doppelter Geschwindigkeit aus dem Interstitium ausgeschwemmt, so Förstl.

Wie sich das Gehirn im Tiefschlaf entrümpelt 2018-02-13T12:51:30+00:00

Morbus Parkinson: Apotheken bilden wichtige Schnittstelle in der Betreuung

In der Therapie eines Morbus Parkinson steht die Behandlung der Bewegungsstörungen meist an erster Stelle. Doch sowohl das Ungleichgewicht der Gehirn-Botenstoffe als auch deren Therapie kann eine lange Reihe weiterer Beschwerden mit sich bringen, die die Patienten erheblich belasten. Das wurde im gemeinsamen Seminar der Apotheker Dr. Hiltrud von der Gathen, Haltern am See, und Steffen Schmidt, Recklinghausen, auf dem pharmacon deutlich. Dazu gehören unter anderem Schluck- und Sprechstörungen, Schwitzen und ein Mimikverlust. Sie führen nicht selten dazu, dass Betroffene das Zusammensein mit Anderen zunehmend meiden. Neben einer Begleitung der medikamentösen Therapie sollten Apotheken Betroffene daher auch mit Informationen zu Selbsthilfegruppen und weiteren – häufig erstattungsfähigen – Therapiemöglichkeiten unterstützen.

So gewöhnten sich viele Patienten etwa bestimmte Bewegungsabläufe ab, erläuterten die Referenten. Dazu gehören Drehbewegungen oder – aus Angst zu Fallen – das Vorbeugen des Rumpfes, das beim Aufstehen erforderlich ist. Diese können in einer Ergotherapie gezielt trainiert werden. Frühzeitig begonnen könne diese späteren Bewegungsproblemen vorbeugen, so die Referenten.

Physiotherapien und Massagen können Muskelverspannungen vorbeugen, Schmerzen lindern und Stürzen vorbeugen. Ein Sprechtraining durch einen Logopäden dient nicht nur dem Erhalt der Kommunikationsfähigkeit, entsprechende Trainings stärken unter anderem auch die Fähigkeit zu Schlucken.

Seine Gedanken darauf zu richten, was man kann, und nicht auf das, was man nicht kann: Dies können Patienten im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie einüben und so auch ihr Selbstvertrauen stärken. Gefühle beeinflussten die Gedanken und beide zusammen das Verhalten, erläuterte von der Gathen. Oder anders formuliert: „Energie folgt den Gedanken.“

Morbus Parkinson: Apotheken bilden wichtige Schnittstelle in der Betreuung 2018-02-07T11:31:50+00:00