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Neurodermitis:  H4-Rezeptor-Blocker erfolgreich getestet

Einen neuen Wirkstoff zur Behandlung der atopischen Dermatitis (Neurodermitis) haben Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) in einer kleinen Studie mit 98 Teilnehmern erfolgreich getestet. Der neue Wirkstoff mit dem dem Kürzel ZPL-3893787 reduzierte demnach innerhalb von acht Wochen den Anteil veränderter Hautstellen – unter anderem mit Rötungen, Bläschen und Kratzspuren – um durchschnittlich 50 Prozent.

Bei dem getesteten Wirkstoff handelt es sich um einen Histamin-H4-Rezeptor-Blocker. H4-Rezeptoren wurden erstmals im Jahr 2000 beschrieben. Sie finden sich vor allem auf Zellen des blutbildenden Systems und des Immunsystems und sind an allergischen Reaktionen beteiligt. „Labor- und In-vivo-Ergebnisse im Mausmodell, die wir seit 2005 kontinuierlich veröffentlichen, sprachen dafür, dass der H4-Rezeptor eine interessante Zielstruktur für die Behandlung der Neurodermitis ist“, berichtet Professor Dr. Thomas Werfel, MHH-Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie, in einer einer Pressemitteilung der MHH. In einem nächsten Schritt soll ZPL-3893787 in weiteren Studien untersucht werden.

Welche therapeutischen Optionen zur Behandlung von Patienten mit atopischer Dermatitis bereits heute zur Verfügung stehen, erfahren die Teilnehmer des pharmacon Meran im Vortrag „Update atopische Dermatitis“ von Professor Dr. Jens-Malte Baron. Das Programm des pharmacon ist bereits jetzt hier einsehbar.

Der Link zur Studie: Werfel, Thomas et al., Efficacy and safety of the histamine H4 receptor antagonist ZPL-3893787 in patients with atopic dermatitis

Neurodermitis:  H4-Rezeptor-Blocker erfolgreich getestet2019-04-16T13:15:06+02:00

Abwechslung ist Programm

Der Fortbildungskongress Pharmacon in Meran lässt sich auf folgende kurze Formel bringen: 4 plus 1 plus 1 – vier Tage strammes Vortragsprogramm, ein Tag für besondere Themen und ein Tag für Fortbildung im Freien. Doch damit ist längst nicht alles erfasst.

Drei Schwerpunktthemen gibt es beim diesjährigen 57. Pharmacon in Meran: Erkrankungen der Haut und deren Behandlung, häufige Erkrankungen des Urogenitaltrakts und deren Therapien — ein Vortrag zum Thema eingeschränkte Nierenfunktion und Arzneimitteltherapiesicherheit darf hier nicht fehlen — und der große Bereich der Hormone. Insgesamt können 18 Vorträge und zwei Seminare besucht werden.

Der Fortbildungskongress Pharmacon in Meran bietet seinen Teilnehmern jedoch stets auch eine erweiterte Perspektive. Um das Thema Künstliche Intelligenz (KI) geht es in der Eröffnungsveranstaltung. Als Keynote-Speaker konnte Professor Dr. Rüdiger Buchkremer, Direktor des Instituts für IT-Management und Digitalisierung (ifid) an der FOM Hochschule für Oekonomie und Management, gewonnen werden. Künstliche Intelligenz eröffnet vielfältige Möglichkeiten, aber auch Fragen: Was können wir aus der Systemmedizin lernen? Wie kann KI die Kommunikation zwischen Patienten, Ärzten und Apothekern verändern? Nicht zuletzt muss auch über ethische Aspekte und Datenschutz gesprochen werden.

Des Weiteren erhalten die Kongressteilnehmer neben den Schwerpunktvorträgen aktuelle Informationen zu innovativen Arzneistoffen, Wirkstoffkandidaten in der Pipeline, Versorgungsforschung in der Dermatologie und zur Arbeitsweise der Ständigen Impfkommission (STIKO).

Fortbildung in wunderschöner Umgebung, aber nur den Kongresssaal gesehen? Abhilfe schaffen drei Veranstaltungen am vortragsfreien Donnerstag. Unter fachkundiger Führung geht es bei zwei botanisch-wissenschaftlichen Exkursionen wahlweise auf den Schlandersberg oder in die Passerschlucht. Festes Schuhwerk und Schwindelfreiheit sind hier Pflicht. Gemütlicher geht es beim Tagesausflug »Passeiertal, Sterzing & Brixen« zu. Für Mutige gibt es je eine geführte Rafting-Tour für Einsteiger und für Fortgeschrittene. Doch nicht nur Mut und Abenteuerlust sind hier gefragt, denn Teamgeist steht an erster Stelle.

Klassische Musik gibt es am Montagabend. Dann gehört die Bühne des Kurhauses begabten jungen Künstlern: dem Violin-Duo Clara Shen und Katharina Strepp und dem Klavier-Duo Ilia Antoniadis und Levent Geiger. Für ausgelassene Unterhaltung ist am Donnerstag gesorgt: Dann geht es mit der Seilbahn zur Pharmacon Dance Night auf 2000 Meter Höhe, zu Networking, landestypischen Speisen und Getränken, toller Musik und jeder Menge gute Laune.

Was den Pharmacon Jahr für Jahr zu etwas Besonderem macht, sind nicht zuletzt seine Besucher. Denn in Meran treffen sich Pharmazeuten vieler Generationen: von Noch-Studierenden über Jung-Apotheker und Apotheker mit jahrelanger Berufserfahrung bis hin zu Apothekern im Ruhestand. Sie alle vereint die Liebe zu einem aspektreichen und anspruchsvollen Beruf, zu wissenschaftlicher Fortbildung und zum kollegialen Austausch. Erfahrungswissen aus der Apothekenpraxis und aktuelle Erkenntnisse aus der Wissenschaft kommen in Meran zusammen.

Kommen lohnt sich
Der Fortbildungskongress Pharmacon Meran findet vom 26. bis 31. Mai 2019 statt. Tickets, Informationen und das vollständige Programm sind zu finden unter www.pharmacon.de. Der Vorverkaufspreis für die Ticketbuchung gilt noch bis zum 26. April 2019.

Beitrag erschienen in Pharmazeutischer Zeitung / 04.04.2019
Foto: PZ/Alois Müller

Abwechslung ist Programm2019-04-10T17:10:06+02:00

Die perfekte Kombination für neue Kontakte: pharmacon und PZ Pharmastellen

Apothekenleiter, die neue Mitarbeiter suchen oder Apotheker und PTA, die sich beruflich verändern möchten, können ihr Anliegen wieder auf dem pharmacon in Meran präsentieren. Das mittlerweile bewährte Portal PZ-Pharmastellen, der Stellenmarkt der Pharmazeutischen Zeitung (PZ), ist dort erneut mit einem Stand vertreten.

Wer einen neuen Mitarbeiter, eine Urlaubsvertretung oder eine neue Stelle sucht, kann seine Anzeige sowohl im Vorfeld des pharmacon bis  21. Mai in PZ 21 bei der Anzeigenabteilung – Telefon 06196/928-220-  als auch auf dem pharmacon direkt am Stand der Pharmastellen aufgeben. Sie erhalten 15% Sonderrabatt und zusätzlich wird Ihre Anzeige am Schwarzen Brett des Standes zu finden sein.

Die perfekte Kombination für neue Kontakte: pharmacon und PZ Pharmastellen2019-04-08T11:20:45+02:00

Neue Arzneimittel vor der Zulassung

Mindestens 30 neue Arzneistoffe könnten 2019 in Deutschland zugelassen werden. Das gab der Verband forschender Pharma-Unternehmen Anfang des Jahres in einer Pressmitteilung bekannt. In seinem Vortrag auf dem pharmacon in Meran stellt Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Frankfurt am Main, wichtige Wirkstoffe vor.

Professor Schubert-Zsilavecz, welches der möglichen neuen Arzneimittel könnte für die Beratung in der Apotheke besonders wichtig beziehungsweise erklärungsbedürftig werden?

Im Jahr 2019 werden wir die Zulassung neuer Antibiotika sehen. Nach Jahren der Stagnation in diesem Bereich ist das eine sehr erfreuliche Botschaft, die es zu kommunizieren gilt. Die optimierte Anwendung dieser neuen Antibiotika setzt eine profunde Beratung in der Apotheke voraus, weshalb es sich lohnt, sich mit den neuen Wirkstoffen auseinanderzusetzen.

Und welcher Wirkstoff könnte aus wissenschaftlicher Sicht der interessanteste werden?

Mit der zu erwartenden Zulassung von Larotrectinib etablieren wir ein innovatives Konzept zur Behandlung von Tumorerkrankungen. Bei diesem Arzneistoff handelt es sich um einen TRK(Tropomyosin-Rezeptor-Kinase)-Inhibitor, der auf die Behandlung von Krebserkrankungen mit einer sogenannten NTRK-Genfusion abzielt, einem insgesamt seltenen Treiber für Krebs, der jedoch bei vielen verschiedenen Tumorarten auftreten kann. Mit diesem Wirkstoff werden Tumore zukünftig nach ihrem genetischen Profil und nicht nach ihrer Lokalisation im Körper behandelt werden.

Ist auch ein Blick in die fernere Zukunft möglich? Wo lassen erste Studienergebnisse auf spannende Neuerungen hoffen?

Schon heute zeichnet sich ab, dass Zell- und Gentherapeutika zukünftig einen festen Platz in der Therapie finden werden. Im Rahmen meines Vortrages werde ich ein in Deutschland entwickeltes Arzneimittel (Obnitix®) vorstellen, das auf mesenchymalen Stammzellen beruht und für die Behandlung von Patienten mit akuter Abstoßungsreaktion nach allogener Stammzelltransplantation (steroid-refraktäre aGVHD oder therapierefraktäre aGVHD ) eingesetzt wird.

 

 

 

Neue Arzneimittel vor der Zulassung2019-03-06T15:39:12+02:00

Meran 2019: Die drei Themenschwerpunkte

Erkrankungen der Haut bilden in diesem Jahr den Schwerpunkt der ersten beiden Kongresstage des pharmacon in Meran – und das aus gutem Grund, denn auch in der Apotheke nimmt die Beratung von Patienten mit Hauterkrankungen einen breiten Raum ein. Das liegt nicht nur an der großen Zahl der Betroffenen und ihrem häufig hohen Leidensdruck. „Das größte Organ des menschlichen Körpers verändert sich mit den Lebensjahren – auch dies gilt es in der Therapie zu berücksichtigen“, erläutert Professor Dr. Rolf Daniels, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesapothekerkammer und Moderator des Kongresses. „Neben häufigen und wichtigen Hauterkrankungen wie atopischer Dermatitis, chronischem Pruritus und Hautkrebs geht es daher auch um Kinderdermatologie und um pharmazeutisch-technologische Fragen.“

Verschiedene Erkrankungen des Urogenitaltraktes stehen im Mittelpunkt der Vorträge am Kongress-Dienstag: An diesem Tag geht es um Harnwegsinfektionen und Antibiotika, um Erkrankungen der Prostata und ihre Behandlung, aber auch um die Anpassung von Therapien bei Patienten mit Niereninsuffizienz. Auch diese Themen decken ein breites Beratungsspektrum in der Apotheke ab: von der Information zu Erkrankungen über die Möglichkeiten der Selbstmedikation bis hin zu diffizilen Medikationsfragen.

Hormone als wichtige Botenstoffe des Körpers bilden beim diesjährigen pharmacon in Meran den dritten Kongress-Schwerpunkt. Auf dem Programm stehen dabei unter anderem eine Neubewertung der Hormontherapie in den Wechseljahren, die Bedeutung der Gestagene bei der Kontrazeption und „das verkannte Hormon“ Vitamin D – allesamt Themen, die derzeit sowohl in der Fachwelt als auch unter medizinischen Laien intensiv und mitunter kontrovers diskutiert werden.

Meran 2019: Die drei Themenschwerpunkte2019-04-10T17:23:07+02:00

Wechsel im Wissenschaftlichen Beirat der Bundesapothekerkammer

Die Bundesapothekerkammer hat ihren ehrenamtlich tätigen Wissenschaftlichen Beirat (WB) für vier weitere Jahre berufen. „Ich danke den drei nun ausscheidenden Mitgliedern sehr für ihr langjähriges Engagement“ sagte Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer. Für ihre Verdienste verlieh Kiefer die Lesmüller Medaille an Prof. Dr. Theo Dingermann und Dr. Eric Martin. Dr. Hiltrud von der Gathen, die ebenfalls aus dem Wissenschaftlichen Beirat ausscheidet, hat diese Ehrung bereits 2002 erhalten.

Gleichzeitig begrüßte Kiefer drei neue Mitglieder. Prof. Dr. Robert Fürst von der Universität Frankfurt wird die Hochschuldisziplin Pharmazeutische Biologie vertreten. Für die Offizinapotheker sind Ulrich Koczian aus Augsburg und Dr. Christian Ude aus Darmstadt dabei. Zur Sprecherin des WB wurde heute Prof. Dr. Ulrike Holzgrabe gewählt.

Mitglieder des WB sind:
» Prof. Dr. Rolf Daniels, Tübingen (Pharmazeutische Technologie)
» Prof. Dr. Robert Fürst, Frankfurt (Pharmazeutische Biologie)
» Prof. Dr. Ulrike Holzgrabe, Würzburg (Pharmazeutische Chemie)
» Priv.-Doz. Dr. Martin Hug, Freiburg (Krankenhauspharmazie)
» Prof. Dr. Ulrich Jaehde, Bonn (Klinische Pharmazie)
» Ulrich Koczian, Augsburg (Offizin-Pharmazie)
» Dr. Birgid Merk, München (Offizin-Pharmazie)
» Prof. Dr. Peter Ruth, Tübingen (Pharmakologie)
» Dr. Christian Ude, Darmstadt (Offizin-Pharmazie)
» Ulrike Teerling, Münster (Krankenhauspharmazie)
» Prof. Dr. med. Thomas Weinke, Potsdam (Medizin)
Zudem wird der WB unterstützt vom Wissenschaftlichen Leiter des Zentrallaboratoriums Deutscher Apotheker e. V., Prof. Dr. Manfred SchubertZsilavecz.

Der WB berät die Bundesapothekerkammer insbesondere bei der Programmgestaltung und wissenschaftlichen Leitung ihrer Fortbildungskongresse ‒ pharmacon ‒ aber auch der Ausbildung und
wissenschaftlichen Fragen.

Weitere Informationen unter www.abda.de

Wechsel im Wissenschaftlichen Beirat der Bundesapothekerkammer2019-02-20T13:07:24+02:00

Erfahrungsbericht pharmacon Schladming 2019 – Berge, Sonne, Schnee…

Bestes Winterwetter auch bei meinem zweiten Besuch des pharmacons in Schladming. In dieser Atmosphäre ergänzen sich Fortbildung und Erholung perfekt. Zwischen Vorträgen, Disskussionen und Seminaren, die bekanntes Wissen auffrischen, aber auch neue Aspekte aufzeigen, bleibt Zeit für tolle Gespräche mit Kollegen und Bekannten, Ausflüge auf die Pisten rund um Schladming, eine Wanderung durch die winterliche Talbachklamm oder mit Schneeschuhen über verschneite Hügel in Rohrmoss und nicht zu vergessen die Hüttenparty auf der Tauernalm.

Es war sicherlich nicht der letzte pharmacon in Schladming für mich.

Autor: E. Hucke (29)

Erfahrungsbericht pharmacon Schladming 2019 – Berge, Sonne, Schnee…2019-02-12T15:43:23+02:00

Erfahrungsbericht pharmacon Schladming 2019 – Fortbildung mit Winterflair

Der pharmacon 2019 (Pharmakotherapie kardiovaskulärer Erkrankungen) war (wieder) eine Reise in das verschneite Schladming wert. Spannende Vorträge über Hypertonie, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen und vieles mehr erwartete uns in einer wunderschönen Skikulisse.

Der AMTS Vortrag von Frau Dr. von der Gathen und Herrn Schmidt, als auch die Präsentation von Frau Dr. Griese-Mammen über Interaktionen in diesem Bereich waren sehr praxisrelevant und gaben gute Hilfestellungen für den Apothekenalltag.

Das abwechslungsreiche Rahmenprogramm wie der Bildervortrag von Herbert Raffalt, der Bankenabend mit beeindruckenden Einblicken eines Arztes in der JVA Joe Bausch, sowie die legendäre Hüttenparty ergänzte das interessante Fortbildungsprogramm.

Auch aus technischer Sicht präsentierte sich der Kongress seit diesem Jahr sehr innovativ – QR Codes zum Scannen zur Testierung und zur Bewertung der Referenten.
Wir hatten eine lehrreiche Woche hier in Schladming und bedanken uns bei der Pharmazeutischen Zeitung, dass sie uns diese interessante „Reise ins Herz“ ermöglicht hat.

Autoren und Foto: Carolin Böhm-Guter und Stefanie Röschert

Erfahrungsbericht pharmacon Schladming 2019 – Fortbildung mit Winterflair2019-01-31T17:17:10+02:00

Herzinfarkt: Die Big Five der Sekundärprophylaxe

Nach einem Herzinfarkt ist das Risiko für einen weiteren Infarkt stark erhöht. Eine Pharmakotherapie mit fünf Arzneistoff(klass)en senkt es: Acetylsalicylsäure (ASS), ADP-Rezeptor-Antagonist, Betablocker, Lipidsenker und ACE-Hemmer.

Ein akuter Myokardinfarkt beruht in 95 Prozent der Fälle auf einer Atherosklerose der Koronararterien. »Im Laufe des Lebens kommt es in den Gefäßen zur Ablagerung von Plaques. Aus diesen kann sich durch Scherkräfte ein Thrombus lösen, der dann an einer Verengung in einem Herzkranzgefäß hängenbleibt«, sagte Privatdozent Dr. Klaus Bonaventura vom Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam beim Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming. Häufig weisen die Arterien nicht nur eine starke Verengung auf, sondern viele kleine Einbuchtungen. Der Thrombus kann daher zunächst hängenbleiben, sich dann wieder lösen, nur um weiter hinten dann endgültig steckenzubleiben. Die Patienten bemerken in diesen Fällen eine vorübergehende Besserung der Symptome gefolgt von einer erneuten Verschlechterung, berichtete der Kardiologe.

Untypische Symptome bei Frauen
Außer dem klassischen Symptom – Brustschmerzen, die in den linken Arm ausstrahlen – können folgende Beschwerden Anzeichen eines Herzinfarkts sein: Kurzatmigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Angst, Schweißausbrüche und Schwindel. Bei Frauen sind die letztgenannten Symptome häufiger als bei Männern, teilweise sogar gänzlich ohne den typischen Brustschmerz.

Pauschal von einem Herzinfarkt zu sprechen, ist heutzutage jedoch nicht mehr medizinisch korrekt. Der Fachbegriff lautet »akutes Koronarsyndrom« und fasst die beiden Herzinfarkt-Formen mit oder ohne Hebung der ST-Strecke im EKG (STEMI und NSTEMI) sowie die instabile Angina pectoris zusammen. Bei einem Herzinfarkt, ob mit oder ohne ST-Hebung, gehen Herzmuskelzellen zugrunde und setzen dabei den Proteinkomplex Troponin ins Blut frei. »Troponin ist der sensitivste Marker für eine Schädigung des Herzmuskelgewebes. Er ist circa drei bis vier Stunden nach Infarktbeginn nachweisbar«, sagte Bonaventura.

Bei einem STEMI und in den meisten Fällen auch bei einem NSTEMI muss das verstopfte Gefäß schnellstmöglich per Ballonkatheter eröffnet werden. »Spätestens innerhalb von 120 Minuten muss der Patient auf dem Kathetertisch liegen«, sagte Bonaventura. Da es beim Zugang über die Armvene (radial) seltener zu Nachblutungen an der Einstichstelle kommt, wird diesem mittlerweile der Vorzug vor dem Zugang über die Leiste (femoral) gegeben. Um einen Wiederverschluss zu verhindern, setzt der Kardiologe einen Stent an die Engstelle. Vom Ansaugen des Thrombus durch den Katheter, wie es früher üblich war, hat man heute Abstand genommen, weil sich durch die Prozedur häufig Gerinnselstücke lösen, die dann einen Schlaganfall verursachen können.

Nach der Akutversorgung im Krankenhaus erhält der Patient eine Pharmakotherapie, um einen erneuten Infarkt zu verhindern. Diese besteht aus den »Big Five«, so Bonaventura, also fünf wichtigen Arzneistoffgruppen. Alle Patienten erhalten ASS in niedriger Dosierung von 70 bis 100 mg täglich. Bei Unverträglichkeit kann auf den ADP-Rezeptor-Antagonist Clopidogrel ausgewichen werden. Zusätzlich zu ASS wird über mehrere Monate – der genaue Zeitraum hängt unter anderem von der Art des verwendeten Stents ab – ein ADP-Rezeptor-Antagonist gegeben, und zwar bevorzugt Prasugrel oder Ticagrelor.

Die drei weiteren Säulen der Therapie sind Betablocker (Bisoprolol, Metoprolol oder Nebivolol), Lipidsenker (Statine, gegebenenfalls in Kombination mit Ezetimib, oder PCSK9-Hemmer) sowie ACE-Hemmer (Ramipril oder Enalapril) beziehungsweise Sartane (Candesartan, Valsartan, Losartan oder Olmesartan). Bonaventura betonte, dass die lipidsenkende Therapie so optimiert werden muss, dass der LDL-Cholesterolwert unter 70 mg/dl liegt. Dies entspricht dem Zielwert für Hochrisikopatienten.

ASS ein Leben lang
Ein Jahr nach dem Infarkt ist es unter Umständen möglich, einen Teil dieser Medikation wieder abzusetzen. ASS jedoch nicht: »Das bleibt ein Leben lang«, sagte Bonaventura. Auch der Cholesterolspiegel muss zwingend weiter medikamentös kontrolliert werden. Ob die doppelte Plättchenhemmung mit ASS plus ADP-Rezeptor-Antagonist weiter fortgeführt wird, hängt vom individuellen Blutungs- sowie Reinfarktrisiko ab. Über die Weitergabe von Betablocker und ACE-Hemmer entscheiden ebenso individuelle Risikofaktoren. Bonaventura betonte, dass bei aller Konzentration auf die Medikation auch die Motivation des Patienten zu einem gesünderen Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und ausreichend Bewegung nicht vergessen werden darf.

Beitrag erschienen in Pharmazeutischer Zeitung / 24.01.2019
Foto: PZ/Alois Müller

Herzinfarkt: Die Big Five der Sekundärprophylaxe2019-01-25T10:25:06+02:00

Fragen an die ABDA-Spitze

Das Reformpaket für den Apothekenmarkt von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist das Thema, das die Apothekerschaft momentan am meisten beschäftigt. Wenig überraschend stand es auch ganz oben auf der Agenda bei der berufspolitischen Diskussionsrunde beim Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming.

ABDA-Hauptgeschäftsführer Sebastian Schmitz informierte über die ABDA-Mitgliederversammlung am 17. Januar, auf der ein eigenes Eckpunktepapier als Gegenentwurf zu Spahns Plänen einstimmig verabschiedet worden war. Der Maßnahmenkatalog der ABDA gliedert sich in sechs wichtige Themenkomplexe auf: Gewährleistung der Gleichpreisigkeit, Förderung pharmazeutischer Dienstleistungen, gesetzliche Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der freien Apothekenwahl, Aufstockung der Finanzmittel des Nacht- und Notdienstfonds auf 240 Millionen Euro, Mitgestaltung und Mitbestimmung bei der Etablierung digitaler Strukturen in der Arzneimittelversorgung und Erhöhung der Gebühr bei der Abgabe dokumentationspflichtiger Arzneimittel, insbesondere Betäubungsmittel. Nun liegt der Ball wieder im Feld der Politik. »Bundesregierung und Parlament sind jetzt gefordert, politische Entscheidungen zu treffen«, so Schmitz. Der Abschluss eines Gesetzgebungsverfahrens sei für Mitte 2019 angekündigt.

Auf die Frage, ob sich die ABDA nun sang- und klanglos vom Rx-Versandverbot verabschiedet hat, antwortete ABDA-Präsident Friedemann Schmidt: »Gegenwärtig fehlt bei den Koalitionsfraktionen der politische Wille für ein Rx-Versandverbot.« Momentan sieht er keine Aussicht auf Erfolg und daher sei man in die Diskussion über alternative Möglichkeiten eingetreten. Auch der Vorschlag, die Streichung von Zuzahlungen durchzusetzen, um Boni damit ad absurdum zu führen, ist aus der Sicht des ABDA-Präsidenten wenig erfolgversprechend. »In weiten Teilen der Unionsparteien CDU und CSU werden die Zuzahlungen als gutes Instrument zur Steuerung des Arzneimitteleinsatzes und -gebrauches angesehen.«

Welche Dienstleistungen honorieren?
Was für Dienstleistungen können das sein, die künftig honoriert werden sollen? »Hier wollen wir eine Verbesserung der Versorgung der Menschen erreichen«, sagte Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer. Honoriert werden könnten daher Dienstleistungen zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) wie eine Medikationsanalyse. »Wir wollen keine Selbstverständlichkeiten bepreisen«, sagte Kiefer. Eine Medikationsanalyse geht aber über die übliche, mit der Abgabe eines Arzneimittels verbundene Beratung hinaus. Dass hier der Apotheker einen wichtigen Beitrag leisten kann, sähen auch immer mehr Ärzte so, sagte Kiefer.

Als honorierbare Dienstleistungen sind zudem Folgeverordnungen durch Apotheker in der Diskussion. »Das hatten wir Herrn Spahn bei einem Gespräch einmal vorgeschlagen und er war nicht abgeneigt«, sagte Fritz Becker, der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbands. Auch eine honorierte Impfberatung durch Apotheker sei denkbar. »Für mich ist die Honorierung zusätzlicher pharmazeutischer Dienstleistungen ein ganz wichtiger Punkt in Spahns Paket«, sagte Becker. Damit werde der Anfang gemacht für eine weitere Entwicklung in diese Richtung.

Eine weitere Zukunftsfrage ist die nach der Ausbildung künftiger Apothekergenerationen. In diesem Zusammenhang wird gerade angesichts der möglichen Honorierung von Leistungen rund um die AMTS der Ruf nach mehr Klinischer Pharmazie in Studium und praktischem Jahr immer lauter. Doch dafür müssten dann unter Umständen andere derzeitige Ausbildungsinhalte weichen, denn noch mehr lässt sich im bereits sehr vollen Stundenplan der kommenden Apotheker kaum unterbringen. Daher ist auch eine Verlängerung der Regelstudiendauer von acht auf neun Semester im Gespräch.

Das Thema beschäftigt auch die Bundesapothekerkammer. Sie arbeitet derzeit an einem Plan für die künftige Ausbildung, den sie Ende des Jahres präsentieren wird, so Kiefer. Man werde diesen dann auch dem Gesundheitsminister als Vorschlag für eine Novelle der Approbationsordnung vorstellen. Schmidt ergänzte, dass die derzeitige Praxis einiger Hochschulen, bei der Lehre von der geltenden Approbationsordnung abzuweichen, nicht hinnehmbar sei. »Die Patienten müssen sich darauf verlassen können, dass Apotheker in Deutschland überall dasselbe können, wenn sie ihr Studium abgeschlossen haben.«

Beitrag erschienen in Pharmazeutischer Zeitung / 24.01.2019
Foto: PZ/Alois Müller

Fragen an die ABDA-Spitze2019-01-25T09:51:20+02:00