Meran

Starkes Bekenntnis zu heilberuflicher Kompetenz

Erneut mehr und jüngere Teilnehmer beim pharmacon Meran

Eschborn/Meran (26. Mai 2017) – Der bereits seit einigen Jahren bestehende Aufwärtstrend des pharmacon Meran bleibt weiterhin ungebrochen. Mit 860 Teilnehmern kamen vom 21. bis 26. Mai erneut mehr Apothekerinnen und Apotheker  als im Vorjahr in den Kongressort am Fuß der Dolomiten, um sich unter anderem über aktuelle Entwicklungen und wissenschaftliche Erkenntnisse  in den Therapiegebieten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gastrointestinaltrakt und Tumortherapie zu informieren. Noch einmal gewachsen ist zudem der Anteil junger und angehender Pharmazeuten. Neben vielen jungen Apothekerinnen und Apothekern kamen auch Pharmaziestudierende oder Pharmazeuten im Praktikum aus Bonn, Düsseldorf, Frankfurt, Mainz, Münster sowie aus Tübingen nach Meran.

Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer, wertete dies als starkes Signal auch an die Politik, sich endlich zu einem Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimittel durchzuringen: „ Während die Versandapotheken derzeit mit Boni und Gewinnspielen um Kunden buhlen, setzen die bereits tätigen und künftigen Kolleginnen und Kollegen offenkundig auf heilberufliche und pharmazeutische Kompetenz. Hier in Meran erhalten sie von herausragenden Referenten wertvolle Kenntnisse auch zu komplexen Krankheiten und deren Arzneimitteltherapie. Wir Apotheker wissen, dass sich die hochstehende Arzneimittelversorgung unserer Kunden rund um die Uhr nur mit bestmöglicher Beratung bei der Arzneimittelabgabe sicherstellen lässt. Dafür setzen wir auch gerne unsere Freizeit für Fortbildung ein!“

Neben dem erstklassigen wissenschaftlichen Programm bot der 55. Internationale Fortbildungskurs für praktische und wissenschaftliche Pharmazie der Bundesapothekerkammer in Meran zudem beste Möglichkeiten für den fachlichen und persönlichen Austausch zwischen Apothekerinnen und Apothekern aller Altersstufen. Der pharmacon Meran trägt damit dazu bei, die Vernetzung innerhalb des Berufes und des Gesundheitsystems insgesamt voranzutreiben. Für Metin Ergül ist dies ein weiterer Grund für den stetig wachsenden Erfolg des Kongresses. Der Geschäftsführer der Avoxa GmbH hat unter anderem deshalb mit seinem Kongressteam auch in diesem Jahr wieder ein attraktives Rahmenprogramm für die vortragsfreien Zeiten zusammengestellt.

Die Eröffnungsrede von Alexander Graf Lambsdorff, dem Vizepräsidenten des Europäischen Parlaments und  Vorstandsmitglied der Organisation Atlantik-Brücke e. V., war bereits ein erster Höhepunkt. Der ausgebildete Diplomat informierte die Teilnehmer über drängende Probleme der EU wie den Umgang mit dem Brexit, den Beziehungen zum neuen US-Präsidenten Donald Trump und der Frage, wie es zwischen der EU und der Türkei weiter geht.  Die weiteren Angebote reichten vom klassischen Konzert mit den Preisträgern des Bundeswettbewerbs Jugend musiziert über Exkursionen bis hin zu geführten E-Bike-Touren und dem morgendlichen pharmacon Lauftreff. „Ein weiteres Highlight war einmal mehr die pharmacon Dance Night am Mittwoch, die mit 250 Teilnehmern hoch oben auf Meran 2000 stattfand und bereits am Montag wieder komplett ausgebucht war. Unterstützt wurde das Rahmenprogramm von den Unternehmen QuintilesIMS (Konzert) sowie ADG (Dance Night). Ausgebucht war schließlich auch die begleitende Ausstellung, bei der sich die Apothekerinnen und Apotheker eine Woche lang darüber informieren konnten, welche Unterstützung ihre Partner aus Industrie und Dienstleistungsunternehmen ihnen für die Erfüllung ihrer Aufgaben bieten können.

Dr. Andreas Kiefer, Metin Ergül und die Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats der Bundesapothekerkammer sind davon überzeugt, dass diese Ergebnisse auch sehr gute Voraussetzungen dafür bieten, auch die internationalen Fortbildungskongresse des nächsten Jahres erfolgreich zu gestalten. Zum pharmacon Meran 2018 treffen sich Apothekerinnen und Apotheker aus ganz Deutschland in Meran vom 27. Mai bis 1. Juni 2018. Knapp fünf Monate vorher, nämlich vom 14. bis 19. Januar 2018, findet der pharmacon 2018 in Schladming statt.

 

Hauttumore und Sonnenschutz: Kleidung statt Creme!

Kinder schützt man am besten durch Kleidung vor Sonnenschäden, während Sonnencremes in der Prävention von melanozytären Nävi im Kindesalter versagen. Studien hierzu präsentierte auf dem pharmacon in Meran Teresa Amaral vom Zentrum für Dermatoonkologie der Universitäts-Hautklinik Tübingen, die den Vortrag in Vertretung für PD Dr. Thomas Eigentler, ebenfalls Tübingen, hielt. Inzidenzraten aus Australien stützen dies: Dort nehmen anders als in Deutschland unter anderem durch konsequente Schulung bereits von Kindern die Hautkrebs-Inzidenzraten ab.

Mit mehreren Missverständnissen müsse man aufräumen, führte Amaral aus. So komme es nicht erst bei einem Sonnenbrand zu einer Schädigung der Haut. UV-Strahlung wirkt sowohl als Initiator als auch als Promotor. So löst sie durch Bildung von Thymidin-Dimeren Mutationen aus. Außerdem knockt sie das Tumor-Suppressorgen p53 aus und wirkt so als Promotor. Beide gemeinsam tragen zur Entstehung von Krebs bei. Die Bräunung der Haut sei ein Indikator für Mutationen, so Amaral weiter.

Sie plädierte für klare Botschaften, um die Bevölkerung für die möglichen Gefahren zu sensibilisieren. So gewährten Sonnenschutzmittel beim Sonnenbaden keinen Schutz vor der Entstehung von Hautkrebs. Bei der nicht-absichtlichen Sonnenexposition schützten sie in Kombination mit anderen Schutzmaßnahmen wie Sonnenhut und -brille sowie bedeckender Kleidung. Der Schutzfaktor von Sonnencremes spiele zudem eine falsche Sicherheit vor, warnte Amaral. Er setze ausreichende Wirkspiegel in der Haut voraus, die üblicherweise nicht erreicht werden.

Drug Targeting: Langer Atem und kleine Schritte

So wichtig und wünschenswert es ist, Arzneistoffe gezielt an ihren Wirkort zu bringen, um Wirkungen zu optimieren und/oder Nebenwirkungen zu minimieren, so schwierig ist es auch. Dies wurde im Vortrag von Professor Dr. Achim Göpferich, Regensburg, deutlich.

Fenestrierte Endothelien, kleine Lücken im Endothel, könnten eine Möglichkeit darstellen. Sie gibt es in verschiedenen Organen, etwa in den Nieren und in der Netzhaut des Auges, aber auch in Leber, Milz und Knochen. In der Behandlung der diabetischen Nephropathie oder der diabetischen Retinopathie besteht ein großer Bedarf, so Göpfert. Bis zum Jahr 2030 erwartet man eine Steigerung der Zahl der Diabetiker auf bis zu 366 Millionen Patienten weltweit. Ein Drittel von ihnen entwickle eine Nephropathie. Zielstruktur ist das Mesangium, deren Zellen eine „Housekeeping-Funktion“ für die glomerulären Kapillaren besitzen. Mesangialzellen regulieren den Turnover der gleichnamigen Matrix und spielen bei der diabetischen Nephropathie eine herausragende Rolle. Es gebe erste hoffnungsvolle Ansätze, resümierte Göpfert, doch für weitere Entwicklungen benötige man ein vertieftes biologisches Verständnis.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: Step up oder Top down?

Zwei grundsätzliche Strategien gibt es in der Behandlung von Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, von denen sich eines durchgesetzt habe, erklärte Professor Dr. Andreas Stallmach, Universitätsklinikum Jena, in seinem Vortrag auf dem pharmacon in Meran. Danach eignet sich für die Mehrzahl der Patienten ein akzeleriertes Step-up-Konzept. Je nach Aktivität der Erkrankung beginnt man dabei zunächst mit einer Basistherapie und steigert diese bei Bedarf durch systemische Steroide, klassische Immunsuppressiva bis hin zu Biologicals und/oder Kombinationstherapien. Wichtig sei dabei, dem Patienten einen zeitlichen Horizont vorzugeben, so der Referent: Wenn bis beispielsweise  in 14 Tagen keine Besserung eingetreten sei, dann erfolge im nächsten Schritt eine bestimmte andere oder zusätzliche Therapie.

Bei der Top-down-Strategie beginnt man hingegen mit der maximal möglichen Therapie. Dies sei jedoch nur in Einzelfällen sinnvoll, etwa bei besonders ausgeprägten Symptomen und/oder schlechter Prognose, so der Referent. In den anderen Fällen, die die Mehrzahl der Patienten darstellten, bestehe bei diesem Konzept die Gefahr einer Übertherapie. Stallmach: „Anders als im Internet dargestellt, ist die Prognose bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen gut.“

Arzneimittel-Fälschungen: Kritik an reißerischer Berichterstattung

Nicht nur gefälschte Arzneimittel selbst, sondern auch eine reißerische Berichterstattung darüber, die mit übertriebenen Zahlen hantiere, gefährde die Gesundheitsversorgung, sagte Professor Dr. Lutz Heide, Tübingen, in seinem Vortrag zum Thema Pharmazie in der Entwicklungszusammenarbeit und Katastrophenhilfe auf dem pharmacon in Meran. Dabei bezog er sich unter anderem auf Beiträge der ARD der vergangenen Woche.

Zahlen aus afrikanischen Ländern von 30 Prozent Fälschungen seien ebenso übertrieben wie Zahlen von 2 Millionen Todesfällen durch Fälschungen. Unter anderem eigenen Untersuchungen zufolge enthielten weniger als 2 Prozent gar keinen oder einen falschen Wirkstoff. Dabei zeigte sich auch, dass die Sicherheit auch vom Vertriebsweg abhängt. Arzneimittel, die über Einrichtungen in staatlicher oder kirchlicher Trägerschaft bezogen würden, verfügten über einen hohen Grad an Sicherheit. Kaum Sicherheit gewährleisten naturgemäß illegale Straßenhändler, aber auch Apotheken schnitten hier kaum besser ab. Mitunter waren Fälschungen für ein scharfes, geübtes Auge bereits an der äußeren Aufmachung zu erkennen – etwa in der Angabe eines nicht existierenden Herstellers, einer falschen Schreibweise der Wirkstoffbezeichnung oder daran, dass sich zwei Arten von Tabletten in einer Packung befanden. Ein großes Problem stellten jedoch Arzneimittel minderer Qualität dar.

Die reißerische Form der Berichterstattung untergrabe die Glaubwürdigkeit der Gesundheitsversorgung und das Vertrauen des Gesundheitspersonals, warnte Heide. Dies führe dazu, dass Therapierichtlinien nicht mehr eingehalten werden. Ein wesentliches Problem der Arzneimittelversorgung in afrikanischen Ländern bestehe vielmehr darin, dass manche Arzneimittelgruppen wie Antibiotika nicht verfügbar oder für die Bevölkerung trotz niedriger Preise nicht bezahlbar seien. Auch fehlten logistische Lösungen. Ausbildungs-Kooperationen etwa der Uni Tübingen, aber auch von Apotheker ohne Grenzen e.V und Apotheker helfen e.V. sollen arbeiten daran, etwa in Malawi oder Uganda eigenständige Versorgungen aufzubauen. Als Vorbild diene die sehr gute und sicher Versorgung in Kenia.

PZ-Innovationspreis 2017: Auszeichnung für Herzinsuffizienz-Medikament

Dr. Michael Hemker (rechts) von Novartis Pharma und Sven Siebenand (links), stellvertretender Chefredakteur der PZ, bei der Übergabe des PZ-Innovationspreises. Foto: PZ/Müller

PZ / Das bei Herzinsuffizienz eingesetzte Arzneimittel Entresto® von Novartis Pharma hat den 23. Innovationspreis der Pharmazeutischen Zeitung (PZ) erhalten. Entresto enthält eine Fixkombination aus den Wirkstoffen Sacubitril und Valsartan. Auf dem Fortbildungskongress Pharmacon in Meran verkündete Sven Siebenand, stellvertretender Chefredakteur der PZ, das Ergebnis. Insgesamt 32 neue Arzneistoffe aus dem Jahr 2016 standen der achtköpfigen Jury – bestehend aus Hochschulprofessoren des Faches Pharmazie und Offizinapothekern – zur Auswahl. Zudem hatten alle Apotheker die Möglichkeit, sich auf der Website der PZ an der Wahl des innovativsten Arzneistoffes zu beteiligen.

Insgesamt elf Substanzen aus dem Jahr 2016 erfüllen die Anforderungen an eine Sprunginnovation. „Diese Elf des Jahres ist breit aufgestellt“, betonte Siebenand. Neben einigen neuen Krebswirkstoffen befänden sich darunter unter anderem auch ein innovativer Antikörper bei Asthma und ein wichtiges neues Antidot. Am meisten überzeugte schließlich der supramolekulare Salzkomplex aus Sacubitril und Valsartan.

Herzinsuffizienz ist eine schwerwiegende, lebensbedrohliche Erkrankung. Rund zwei Millionen Menschen in Deutschland leiden daran. In Anbetracht einer älter werdenden Gesellschaft wird die Patientenzahl zukünftig voraussichtlich weiter zunehmen. „Die Markteinführung einer neuen Therapieoption bei Herzinsuffizienz ist daher sehr zu begrüßen“, sagte Siebenand. Ihm zufolge überzeugten besonders die Ergebnisse der Zulassungsstudie PARADIGM-HF mit mehr als 8000 Patienten. Die Studiendaten zeigen, dass das neue Medikament Patienten im Vergleich zur Therapie mit dem ACE-Hemmer Enalapril ein längeres und besseres Leben mit weniger Krankenhausaufenthalten ermöglicht.

„Die Wahl fiel auch aufgrund des neuen Wirkkonzeptes, der Kombination aus einem Neprilysin-Hemmer und einem Antagonisten am AT1-Rezeptor, auf Entresto“, so Siebenand. Erstmals werde mit einem Medikament die therapeutische Modulation des natriuretischen Peptidsystems bei der chronischen Herzinsuffizienz adressiert. Ferner hätten auch die schnelle Aufnahme in die Therapieleitlinien sowie die hohe Einstufung des Gemeinsamen Bundesausschusses in Sachen Zusatznutzen dazu beigetragen, dass Entresto als Sieger auserkoren wurde.

Dr. Michael Hemker, Geschäftsleiter Cardio-Metabolic Süd/West bei Novartis Pharma, nahm den Preis in Meran entgegen. Er zeigte sich erfreut, dass Entresto sich im Rennen um den unabhängigen Preis bei der Jury durchsetzen konnte und damit dessen Innovationscharakter gewürdigt wurde.

Die PZ ist die Zeitschrift der deutschen Apotheker. Sie wendet sich vor allem an Apotheker in öffentlichen Apotheken, im Krankenhaus, in der pharmazeutischen Industrie, in der Verwaltung und dem öffentlichem Dienst. Sie informiert über alle für die Berufsgruppe relevanten Entwicklungen in Pharmazie, Medizin, Wirtschaft und Gesundheitspolitik. Herausgeber ist die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Die PZ erscheint in der Avoxa Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH, einem Tochterunternehmen der ABDA.

Seminar: Umgang mit oralen Zytostatika

Wie man Zytostaktika-Kapseln öffnen kann, um den Inhalt durch eine Ernährungssonde zu geben, ohne dass Wirkstoff in die Umwelt gelangt, erläuterte Apotheker Lars Gubelt, Dortmund, in einem gemeinsamen interaktiven Seminar mit Apothekerin Dr. Steffi Künne, Dortmund, auf dem pharmacon in Meran. Man benötigt dazu zwei Luer-Lock-Spritzen und einen weiblich-weiblich-Adapter, um beide zu verbinden.

In eine Spritze zieht man die in der Fachinformation angegebene Flüssigkeit für die Einnahme auf. Häufig sei dies Wasser, manchmal werde wegen des pH-Wertes jedoch beispielsweise Apfelsaft empfohlen, erläuterte Gubelt. Aus der zweiten Spritze zieht man den Kolben heraus, gibt die Kapsel hinein und setzt den Kolben wieder ein. Beide Spritzen werden nun mit dem Adapter verbunden und die Kapsel durch Kolbendruck zerstört. Durch Hin- und Herspülen der Flüssigkeit gelangt der Wirkstoff in die zweite Spritze, aus der sie dann in die Ernährungssonde gegeben werden kann.

 

Neue Arzneistoffe: PZ-Innovationspreis verliehen

Mit dem diesjährigen PZ-Innovationspreis wurde auf dem pharmacon in Meran das neue Arzneimittel Entresto® ausgezeichnet, das im vergangenen Jahr zur Behandlung der Herzinsuffizienz auf den Markt kam. Es enthält eine Kombination aus dem neuen Wirkstoff Sacubitril und dem bekannten AT1-Hemmer Valsartan. Aus einer engeren Wahl von vier neuen Arzneistoffen hatte sich das Arzneimittel mit großem Abstand abgesetzt.

Für die Auszeichnung gebe es mehrere Gründe, sagte Sven Siebenand, stellvertretender Chefredakteur der Pharmazeutischen Zeitung (PZ) und Jurymitglied. So sei mit der Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibition (ARNI) ein neues Wirkprinzip in die Therapie eingeführt worden. Studien zeigten einen signifikanten Unterschied zwischen der bisherigen Standardtherapie und der neuen Therapieoption. Damit verbunden sei ein Zuwachs an Lebensqualität für die Patienten. Zum Hintergrund: Rund 2 Millionen Menschen sind in Deutschland an Herzinsuffizienz erkrankt.

Der PZ-Innovationspreis wurde in diesem Jahr zum 23. Mal verliehen, zum dritten Mal auf dem pharmacon in Meran. Die Wahl erfolgt durch eine Jury sowie durch die Leser der PZ. Apotheker seien prädestiniert, diese Wahl vorzunehmen, denn kein Berufsstand beschäftige sich mehr mit neuen Arzneimitteln und Innovationen als sie, sagte Siebenand.

Neue Arzneistoffe: Gut beraten  

„Keine Kaliumpräparate in der Selbstmedikation bei Patienten, die das neue Herzinsuffizienz-Arzneimittel Entresto® erhalten“, mahnte auf dem pharmacon in Meran Apotheker Sven Siebenand, stellvertretender Chefredakteur der Pharmazeutischen Zeitung. Er präsentierte in seinem Vortrag wissenschaftlich interessantes Hintergrundwissen ebenso wie beratungsrelevante Aspekte für die tägliche Apothekenpraxis zu einer Auswahl aus den neuen Arzneistoffen des Jahres 2016.

Zu beachten sei auch, dass die Bioverfügbarkeit des Sacubitril-Kombinationspartners Valsartan bei Entresto um 50 Prozent höher liege als bei anderen Valsartan-Formulierungen. Dies könne bei Patienten, die von einem höher dosierten Arzneimittel auf Entresto umgestellt werden, zu Irritationen führen und sollte ihnen erläutert werden. Sensibilisieren sollte man außerdem für mögliche Wechselwirkungen mit ACE-Hemmern. Bei einer Umstellung von einem ACE-Hemmer auf Entresto sollte eine Karenzzeit von 36 Stunden eingehalten werden.

NAFLD: „Fructose ist das Lebergift des 21. Jahrhunderts“

 

„Fructose ist das Lebergift des 21. Jahrhunderts“, sagte Professor Dr. Michael Trauner, Universitätsklinikum Wien, in seinem Vortrag zum Thema nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD) auf dem pharmacon in Meran. Als häufiger Bestandteil insbesondere von Softdrinks spielt sie bei der Entstehung eine zentrale Rolle. Trauner weiter: „Die NAFLD ist die hepatologische Manifestation des metabolischen Syndroms.“

Eine nicht-alkoholische Fettleber ist bis zu einem gewissen Grad rückbildungsfähig. Dazu sei jedoch eine Abnahme des Körpergewichts von mindestens 10 Prozent erforderlich, was den Betroffenen oft nicht leicht falle, so der Referent. Er verwies auf eine Untersuchung, nach der aber auch eine isokalorische proteinreiche Kost die Leber entlasten kann. Schützende Effekte besitze zudem Kaffee. In der medikamentösen Therapie haben vor allem Metformin und Statine einen Nutzen gezeigt. Allerdings ist kein Arzneimittel für diese Indikation zugelassen.