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Leberzirrhose kann reversibel sein

Leberzirrhose ist nicht gleich Leberzirrhose. Das verdeutlichte Professor Dr. Joachim Labenz (Foto) auf dem Fortbildungskongress Pharmacon in Meran. Wie der Ärztliche Direktor des Jung-Stilling-Krankenhauses in Siegen informierte, besteht im Stadium der kompensierten Leberzirrhose durch eine gute Therapie noch die Chance auf eine gewisse Rückbildung. Die Ein-Jahres-Mortalität liege zwischen 1 und 3 Prozent. Bei einer dekompensierten Leberzirrhose sei eine Rückbildung dagegen nicht mehr möglich und sie bedeute für die Betroffenen eine deutliche Verschlechterung der Prognose. Die Ein-Jahres-Mortalität liege in diesem Stadium bei bis zu 57 Prozent.

Wichtig ist es also, dieses Stadium zu verhindern und Dekompensations-fördernde Faktoren zu vermeiden, so der Gastroenterologe. Zu Letzteren zählten Infektionen, gewisse Medikamente, chirurgische Eingriffe und Alkoholkonsum. Wie Labenz informierte, zeigt eine Untersuchung aus Skandinavien, dass sich drei Viertel der Zirrhose-Patienten bei Erstdiagnose der Erkrankung bereits im dekompensierten Stadium befinden. «Ein Screening auf stumme Zirrhosen in Deutschland wäre daher sehr wünschenswert.» Zudem kritisierte er, dass im Gesundheitscheck Check-up 35 kein Leberwert kontrolliert wird. (ss)

04.06.2018 l PZ
Foto: PZ/Alois Müller

 

Leberzirrhose kann reversibel sein2018-06-06T11:41:17+00:00

Round-Table-Gespräch: Universitätswissen trifft auf Expertise

Der Pharmacon Meran wartete dieses Jahr mit einem neuen Format auf. In einem Round-Table-Gespräch sensibilisierten eine praxiserfahrene Apothekerin und drei Jung-Approbierte anhand von Fallbeispielen für arzneimittelbedingte Probleme bei der Therapie von Atemwegserkrankungen.

«Ähnlich Sherlock Holmes kann auch in der Apotheke nur durch mehrmaliges Nachhaken und Kombinieren die Ursache gefunden werden und dem Kunden optimal geholfen werden» sagte Dr. Hiltrud von der Gathen (Foto rechts) aus Recklinghausen. Sie nenne es, das Spinnen zu Lernen, so die Apothekerin in Anlehnung an das Weben eines Spinnennetzes. So lasse sich manchmal auch eine eher skurrile Ursache ausmachen, wie das erste Fallbespiel zeigte: «Ich kann nicht schlafen», berichtete ein männlicher Patient in der Apotheke. Zudem klagte er über vermehrten Husten in der Nacht und einen schnelleren Puls. Ein Blick in die Medikationsdatei zeigte, dass der Patient Asthmatiker ist. So bekommt er unter anderem Salbutamol, Budesonid und Theophyllin.

In einer Art Rollenspiel wiesen von der Gathen und die drei jungen Offizinapotheker Melissa Lubjuhn aus Reken, Steffen Schmidt aus Haltern am See und Rebekka Wiggers aus Münster auf die jeweiligen potenziellen Probleme hin. So können Salbutamol und Theophyllin Tachykardien und Schlafstörungen verursachen. Budesonid stehe im Zusammenhang mit Husten, Atemnot und Heiserkeit. Die vier Apotheker zeigten nach und nach auf, welche potenziellen arzneimittelbezogenen Probleme auf den ersten und zweiten Blick auszumachen sind. Sie wiesen dabei unter anderem hin auf eine fehlerhafte Anwendung, auf suboptimale Dosierungen, auf Empfehlungen der Leitlinien sowie auf die Vereinbarkeit von Evidenz und Erfahrung. Dass selbst manchmal ein dritter Blick vonnöten ist, machte das Fallbeispiel deutlich. Denn nur das intensive Nachfragen der Apotheker brachte die eigentliche Ursache ans Licht. Der Kunde machte derzeit eine Diät mit schwarzem Pfeffer und das darin enthaltene Piperin hemmt den Theophyllinabbau, was wiederum die Beschwerden wie Schlaflosigkeit und schnellen Puls verursachte. «Es ist wichtig, in viele Richtungen zu denken und sich nicht mit dem Offensichtlichen zufrieden so geben», sagte von der Gathen.

Analog spielten die vier Apotheker noch zwei weitere Fallbeispiele zu Allergie beziehungsweise Heuschnupfen und grippalem Infekt durch. Beim fachlichen Austausch traf pharmazeutisches Universitätswissen auf die pharmazeutische Expertise einer praxiserfahrenen Kollegin. Von dieser Konstellation profitieren alle Beteiligten – zu guter Letzt der Kunde. Das neue Format stieß beim Auditorium auf große Zustimmung.

04.06.2018 l PZ
Foto: PZ/Alois Müller

Round-Table-Gespräch: Universitätswissen trifft auf Expertise2018-06-06T11:41:17+00:00

pharmacon Meran knackt 900er Marke

Meran/Eschborn, 01.06.2018 – Mit mehr als 900 aktiven sowie angehenden Apothekerinnen und Apothekern als Teilnehmer konnte der heute (Freitag) zu Ende gegangene pharmacon Meran eine Rekordmarke knacken. Unter den zahlreichen neuen Kongressbesuchern waren dabei viele jüngere Apotheker, Pharmazeuten im Praktikum und Pharmaziestudierende. Eine Woche lang drehte sich im Kurhaus am Fuße der Alpen in den sehr gut besuchten Vorträgen und Seminaren alles um die Schwerpunktthemen Autoimmunerkrankungen, Atemwegserkrankungen und Leber. Daneben standen neue Arzneimittel, Cannabis und die innovative Ansätze in der Biomedizin auf dem Programm.

Dr. Andreas Kiefer freute sich nicht nur über die große Anzahl an Kongressteilnehmern. „Unser Ziel, auch viele junge Kolleginnen und Kollegen für den pharmacon zu begeistern, ist einmal mehr aufgegangen“, erklärte der Präsident der Bundesapothekerkammer. In diesem Zusammenhang wies Kiefer besonders auf das neue Fortbildungsformat des Round-Table-Gespräches zur Medikationsanalyse hin, das auch beim Auditorium auf große Zustimmung stieß. Dr. Hiltrud von der Gathen beleuchtete hier gemeinsam mit drei jungen Offizinapothekern konkrete Fallbeispiele im Hinblick auf arzneimittelbezogene Probleme bei der Therapie von Atemwegserkrankungen. Beim fachlichen Austausch traf pharmazeutisches Universitätswissen auf die pharmazeutische Expertise einer praxiserfahrenen Kollegin.

Schon die Eröffnungsveranstaltung begann mit einem Highlight. In seinem Keynote-Vortrag, gefolgt von Standing Ovations, zog Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio eine Bilanz über den Zustand des Westens, der sich durch die eigenwilligen Wege der USA und des Vereinigten Königreiches in einer Krise befindet. Der ehemalige Bundesverfassungsrichter ließ dabei allerdings keine Untergangsstimmung aufkommen. Er warb vielmehr für einen konzeptionellen Aufbruch der Europäischen Union.

Auch beim Rahmenprogramm des pharmacon gab es Neuerungen, die bei den Teilnehmern sehr gut ankamen. Sowohl die pharmacon Dance Night als auch die neu ins Programm aufgenommene Rafting-Tour waren bereits lange im Vorfeld ausgebucht. Aber auch Bewährtes kam nicht zu kurz. So stießen die beiden botanisch-wissenschaftlichen Exkursionen auch mit neuer Exkursionsleiterin wieder auf große Begeisterung der Teilnehmer. Die Avoxa freut sich als Ausrichter des pharmacon zudem über die ebenfalls ausgebuchte Ausstellung. Petra Lutz, die bei der Avoxa den Geschäftsbereich Messen und Kongresse leitet, dankte zudem den Sponsoren IQVIA für die Unterstützung des Konzertabends sowie der ADG und der Fattoria La Vialla für die der Dance Night.

Dr. Andreas Kiefer und Avoxa-Geschäftsführer Metin Ergül sind sich sicher, dass die pharmacon-typische Mischung aus einem hervorragenden wissenschaftlichen Angebot und der Möglichkeit zum Networking in den Kongresspausen sowie während des Rahmenprogramms auch in Zukunft aufgehen wird. Und das gilt sowohl für den nächsten pharmacon in Meran (26. bis 31. Mai. 2019) als auch für den Winter-pharmacon, der vom 20. bis 25. Januar 2019 in Schladming stattfinden wird.

Die Pressemitteilung können Sie auch hier downloaden.

pharmacon Meran knackt 900er Marke2018-09-19T09:34:41+00:00

Wirkstoff gegen chronischen Husten in Sicht

Erstmals könnte in naher Zukunft eine zugelassene Therapieoption für die Indikation chronischer Husten auf den Markt kommen: Der Arzneistoffkandidat Gefapixant (AF-219) befindet sich in Phase III der klinischen Prüfung. «Damit würde eine eklatante therapeutische Lücke geschlossen», sagte Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz (Foto) von der Goethe-Universität in Frankfurt am Main beim Fortbildungskongress Pharmacon in Meran.

Derzeit gebe es keinen zugelassenen Arzneistoff für dieses Einsatzgebiet. Zwar existierten für Gabapentin, Pregabalin, Amitriptylin und Morphin Studien mit kleineren Fallzahlen, doch bedeute ihr Einsatz einen Off-Label-Use; zudem seien die Nebenwirkungen dieser Substanzen erheblich. Hingegen seien Codein und Noscapin zwar für die Indikation Husten verordnungsfähig. Beide wurden aber für den chronischen, refraktären Husten klinisch nicht untersucht.

Gefaxpixant blockiert die P2X3-Rezeptoren. Dabei handelt es sich um ATP-abhängige Ionenkanäle an sensorischen Neuronen der Atemwege, deren Aktivierung zu einer Sensibilitätssteigerung dieser Neuronen führt. Die bronchiale Hyperreagibilität gilt als pathophysiologischer Mechanismus bei Husten. In den Phase-II-Studien reduzierte Gefapixant in einer Dosierung von zweimal täglich 600 mg die Hustenanfälle im Vergleich zu Placebo um 75 Prozent. Als Nebenwirkung traten Geschmacksstörungen auf. «Diese sind zwar reversibel», konstatierte Schubert-Zsilavecz. Dennoch könne diese unerwünschte Wirkung bei der Zulassung durchaus ein Problem darstellen. Der pharmazeutische Chemiker vermutet daher, dass die zulassungsrelevanten Phase-III-Studien mit einer geringeren Dosierung laufen. (kg)

30.05.2018 l PZ‘
Foto: PZ/Alois Müller

Wirkstoff gegen chronischen Husten in Sicht2018-06-06T11:41:17+00:00

Multiple Sklerose: Symptome anfangs oft unspezifisch

Gefühlsstörungen in den Beinen, abnorme Ermüdung oder Sehstörungen wie Doppelbilder: Die ersten Symptome der Multiplen Sklerose (MS) sind oft unspezifisch. «Da die Krankheit aus scheinbarer Gesundheit heraus beginnt, werden die ersten, wenig charakteristischen Symptome von Patienten oft nicht ernst genommen», sagte Apotheker Kai Girwert beim Pharmacon in Meran. Durchschnittlich wird die Diagnose erst drei Jahre nach dem Auftreten der ersten Symptome gestellt.

Um das Fortschreiten der Krankheit zu verhindern, sollte die Behandlung so früh wie möglich beginnen. MS verläuft meist in Schüben. Viele MS-Therapeutika verlängern die Zeit bis zum nächsten Krankheitsschub. Das bedeutet umgekehrt, dass sie in Zeiten eingenommen werden, wenn der Patient gerade keine akute Verschlechterung spürt. «Hier müssen wir oft Überzeugungsarbeit leisten und mit den Patienten über ihre Ängste sprechen», sagte der Apotheker.

In den vergangenen Jahren hat sich die Therapie der MS enorm weiterentwickelt. Durch die Einführung neuer Substanzen gibt es heute neben den schon seit den 1990er Jahren bekannten Injektionslösungen mehrere neue Arzneimittel, auch in Tablettenform. Girwert: «Nur aufgeklärte Patienten können den Sinn der Therapie einschätzen und nehmen die oft relativ teuren Arzneimittel zuverlässig ein. Durch sachliche Information kann der Apotheker dem Patienten helfen, die Arzneimittel korrekt anzuwenden.» Beispielsweise werden Interferone oft besser vertragen, wenn die Haut vor der Selbstinjektion gekühlt wird. Die Injektionslösung hingegen sollte Raumtemperatur haben. Werden Interferone abends gespritzt, können Patienten die grippeartigen Nebenwirkungen teilweise verschlafen.

MS ist die häufigste entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems, die bei jungen Erwachsenen oft zu Behinderungen und Berufsunfähigkeit führt. Sie betrifft rund 120.000 Bundesbürger. Die Krankheit beginnt oft zwischen dem 15. und 45. Lebensjahr. Die Symptome sind individuell unterschiedlich, deshalb wird MS auch als «Krankheit mit 1.000 Gesichtern» bezeichnet.

30.05.2018 l ABDA

 

Multiple Sklerose: Symptome anfangs oft unspezifisch2018-06-06T11:41:17+00:00

Feinstaub und Stickoxid: Auswirkungen sind unklar

Sind Feinstaub oder Stickoxide gefährlich für Menschen? Diese Frage lässt sich offenbar nicht eindeutig beantworten. Professor Dr. Martin Göttlicher stellte beim Pharmacon in Meran das komplexe Geschehen dar. Vollkommen einig sind sich die Experten demnach nicht. Ein grundsätzliches Problem sei dabei die heterogene Datenlage, betonte der Direktor des Instituts für Molekulare Toxikologie und Pharmakologie am Helmholtz-Zentrum München. Zudem wurden laut Göttlicher die Ergebnisse unterschiedlicher Studien zum Teil miteinander vermischt. Die Konsequenz daraus seien unterschiedliche Herangehensweisen und Unklarheiten über adäquate Maßnahmen.

Entscheidend ist aus Göttlichers Sicht der Nachweis, dass ein untersuchtes Agens, etwa Stickstoffdioxid, ursächlich für die beobachtete Wirkung verantwortlich ist. Als zweiter Schritt müsse dann geklärt werden, ob das Auftreten einer Erkrankung tatsächlich Konsequenz der Exposition ist.

Nach aktuellen Schätzungen sterben in Deutschland jährlich rund 6000 Menschen an Umweltgiften. Dabei werden allerdings nicht die tatsächlichen Todesfälle gezählt, sondern berechnet, erklärte Göttlicher. Die Todesstatistik sei damit nur eine Näherung. Der Anteil der Herz-Kreislauf-Toten durch Feinstaub sei gering, so Göttlichers Einschätzung. Die Zahl der Feinstaub-Toten hänge auch von der Luftqualität ab.

Die Dosis-Wirkungs-Beziehungen würden zudem kontrovers diskutiert. «Bei geringer Exposition sind kaum Risiken zu erwarten», so Göttlicher. Er sieht die Gefährdung für Menschen selbst in der Nähe von viel befahrenen Straßen mit einer mittleren Belastung von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter als gering an. Er geht davon aus, dass die Schadstoffbelastung erst bei deutlich höheren Werten zu einem plausiblen Gesundheitsrisiko werden könnten. Zudem habe jeder Einwohner einer Stadt effektive Möglichkeiten, sich Feinstaub und Stickoxiden zu entziehen. Schon wenige Meter von der Emissionsquelle entfernt, sei die Belastung bereits halbiert. Für eine abschließende Bewertung mit hoher Aussagekraft gebe es allerdings noch zu wenige valide Daten. (dr)

30.05.2018 l PZ
Foto: PZ/Alois Müller

Feinstaub und Stickoxid: Auswirkungen sind unklar2018-06-06T11:41:17+00:00

Arzneimittel für neuartige Therapien: Das ist die Zukunft

Biomedizin wird zukünftig eine immer größere Rolle spielen. Diese Erwartungshaltung äußerte der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) in Langen, Professor Dr. Klaus Cichutek, beim Fortbildungskongress Pharmacon in Meran. Zu den biomedizinischen Arzneimitteln gehören laut dem Biochemiker nicht nur Impfstoffe und Antikörper, sondern auch Arzneimittel für neuartige Therapien (Advanced Therapy Medicinal Products, ATMP). Gentherapeutika, somatische Zelltherapeutika und biotechnologisch bearbeitete Gewebezubereitungen (Tissue Engineered Products, TEP) sind als ATMP einzustufen.

Wie Cichutek informierte, besitzen schon einige ATMP in der Europäischen Union eine Zulassung. Als Beispiele nannte er das bei Hautkrebs zugelassene Gentherapeutikum Imlygic® und das Präparat Holoclar® zur Behandlung eines Mangels an limbalen Stammzellen (LSCD) aufgrund von Verbrennungen. LSCD sitzen normalerweise im Auge an der Grenze zwischen Hornhaut und Lederhaut, dem weißen Teil des Auges. Sie sorgen für die Reparatur von Schäden an der äußeren Schicht der Hornhaut. Zum Beispiel Verbrennungen können zum Verlust dieser Zellen führen, was Blindheit zur Folge haben kann. Holoclar enthält lebendes Gewebe, das den Betroffenen von einer unbeschädigten Hornhautpartie entnommen und im Labor gezüchtet wird.

Die Entwicklung im biomedizinischen Bereich geht laufend voran. Für die Zukunft erwartet der PEI-Präsident auch CRISPR/CAS9-basierte Arzneimittel auf dem Markt. «Beim PEI bereiten wir uns bereits auf erste klinische Prüfungen vor», berichtete Cichutek. (ss)

31.05.2018 l PZ
Foto: PZ/Alois Müller

 

Arzneimittel für neuartige Therapien: Das ist die Zukunft2018-06-06T11:41:17+00:00

Cannabis: Kein Joint aus der Apotheke

Der therapeutische Einsatz von Cannabis ist nicht einfach ein «Joint aus der Apotheke». Das bekräftigte Apotheker Dr. Christian Ude aus Darmstadt am Mittwoch beim Fortbildungskongress Pharmacon Meran. «Eine Cannabis-Therapie ist komplexer und vielfältiger als das bloße Rauchen von Marihuana», so Ude. Es sei ein Fehler, alle Zubereitungen, die auf Medizinal-Hanf basieren, auf die Arzneipflanze zu reduzieren. «Man muss hier sehr genau unterscheiden, ob die Droge, pflanzliche Zubereitungen wie Extrakte oder die wirksamkeitsbestimmenden Pflanzeninhaltsstoffe wie Dronabinol zum Einsatz kommen», betonte der Apotheker.

Ein Kriterium zur Unterscheidung der einzelnen Cannabis-Therapeutika sei die Pharmakokinetik. Bei der inhalativen Anwendung, also etwa beim Rauchen oder Vernebeln von Cannabis-Blüten, flutet der Wirkstoff sehr schnell an – der Patient spürt bereits nach Minuten eine Wirkung – und es werden rasch hohe Wirkspiegel erreicht, die jedoch nur rund zwei bis vier Stunden anhalten. Bei der Anwendung des Fertigarzneimittels Canemes® mit dem synthetischen Δ9-Tetrahydrocannabinol-Derivat Nabilon wird die maximale Plasmakonzentration dagegen erst nach 60 bis 90 Minuten erreicht. «Bei der Behandlung gilt es also, genau abzuwägen, welche Zubereitung, Applikationsform und Dosis für den jeweiligen Patienten am besten geeignet sind», sagte Ude. Dabei sei die Anwendung der Blüten zumindest kritisch zu sehen. Denn der Einsatz pflanzlicher Drogen statt der isolierten wirksamkeitsbestimmenden Substanzen sei nach aktuellem Stand der Wissenschaft ein Rückschritt, nicht zuletzt aufgrund der Applikation, wie der Apotheker betonte.

Die Liste der Indikationen, bei denen Cannabis und seine Zubereitungen wirken sollen, ist lang. «Die klinische Datenlage dazu ist allerdings mäßig und uneinheitlich», sagte Ude. Einigermaßen belegt sei eine Wirkung bei chronischen Schmerzen, Spasmen bei Multipler Sklerose und Paraplegie sowie bei Chemotherapie-induzierter Übelkeit und Erbrechen. Bei anderen Indikationen sei die Wirksamkeit dagegen nicht belegt, es gebe kaum Evidenz, so Ude. «Ein neues Wundermittel ist Cannabis also sicherlich nicht.» (va)

31.05.2018 l PZ
Foto: PZ/Alois Müller

 

Cannabis: Kein Joint aus der Apotheke2018-06-06T11:41:17+00:00

PZ-Innovationspreis 2018: Erster Antikörper bei Neurodermitis ausgezeichnet

Professor Dr. Jochen Maas, Geschäftsführer Forschung & Entwicklung der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, und Sven Siebenand, stellvertretender Chefredakteur der PZ, bei der Übergabe des PZ-Innovationspreises.

PZ / Das bei Neurodermitis eingesetzte Arzneimittel Dupixent® von Sanofi Genzyme erhält den 24. Innovationspreis der Pharmazeutischen Zeitung (PZ). In dem Präparat ist der erste bei der Hauerkrankung Neurodermitis zugelassene Antikörper enthalten: Dupilumab. Auf dem Fortbildungskongress pharmacon in Meran verkündete Sven Siebenand, stellvertretender Chefredakteur der PZ, das Ergebnis. Insgesamt 35 neue Arzneistoffe aus dem Jahr 2017 standen der siebenköpfigen Jury – bestehend aus Hochschulprofessoren des Faches Pharmazie und Offizinapothekern – zur Auswahl. Zudem hatten alle Apotheker in Deutschland die Möglichkeit, sich auf der Website der PZ an der Wahl des innovativsten Arzneistoffes zu beteiligen.

Insgesamt elf Substanzen aus dem Jahr 2017 erfüllen die Anforderungen an eine Sprunginnovation. „Ihr Einsatzgebiet ist breit gefächert“, betonte Siebenand. Neben drei neuen Wirkstoffen zur Behandlung unterschiedlicher Leukämieformen befänden sich darunter auch zwei Arzneistoffe zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis sowie ein erstes Medikament zur Behandlung einer schweren neuromuskulären Erbkrankheit. Am meisten überzeugte schließlich das Innovationspotenzial des Antikörpers Dupilumab.

Die atopische Dermatitis ist eine chronisch entzündliche Hauterkrankung, die für die Betroffenen eine enorme Belastung darstellt und viele Bereiche des Lebens beeinträchtigt. „Anders als bei Psoriasis, wo in den vergangenen Jahren zahlreiche Antikörper zur zielgerichteten Therapie auf den Markt gekommen sind, hat es in den vergangenen Jahren bei der Neurodermitis keine nennenswerten Fortschritte gegeben“, sagte Siebenand. Die Markteinführung von Dupilumab, dem ersten Antikörper zur Behandlung der Neurodermitis, sei daher sehr zu begrüßen. Insbesondere die Ergebnisse des umfangreichen Studienprogramms mit sechs Phase-III-Studien überzeugten. „Der neue Antikörper lindert den Juckreiz von Patienten, bessert das Hautbild und verfügt über ein günstiges Sicherheitsprofil.“

Die Wahl fiel auch aufgrund des neuen Wirkkonzeptes auf Dupilumab. „Es steht erstmals ein Immuntherapeutikum zur Verfügung, das gezielt in den Pathomechanismus der Neurodermitis eingreift“, informierte Siebenand. Denn Dupilumab hemmt sowohl den Interleukin-4- als auch den Interleukin-13-Signalweg. Last but not least trugen die Aussicht auf die Ausweitung des Anwendungsgebietes auf den pädiatrischen Bereich, mögliche Zulassungen bei anderen Erkrankungen und das positive Ergebnis der frühen Nutzenbewertung durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen dazu bei, dass Dupilumab als Sieger auserkoren wurde.

Professor Dr. Jochen Maas, Geschäftsführer Forschung & Entwicklung der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, nahm den Preis in Meran entgegen und freute sich über die Auszeichnung. „Die Zulassung des Antikörpers bestätigt unseren Ansatz, Menschen mit hohem medizinischem Bedarf Zugang zu innovativen neuen Therapien zu verschaffen. Die Markteinführung von Dupixent ist ein Meilenstein in der Therapie der atopischen Dermatitis“, betonte Maas.

Die PZ ist die Zeitschrift der Apotheker in Deutschland. Sie wendet sich vor allem an Apotheker in öffentlichen Apotheken, im Krankenhaus, in der pharmazeutischen Industrie, in der Verwaltung und dem öffentlichem Dienst. Sie informiert über alle für die Berufsgruppe relevanten Entwicklungen in Pharmazie, Medizin, Wirtschaft und Gesundheitspolitik. Herausgeber ist die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Die PZ erscheint in der Avoxa Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH, einem Tochterunternehmen der ABDA.

Foto: PZ/Müller

PZ-Innovationspreis 2018: Erster Antikörper bei Neurodermitis ausgezeichnet2018-09-19T09:35:31+00:00

TNF-α-Blocker: Bei Infektionen hellhörig werden

Wie wichtig eine kompetente Beratung von Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa ist, hat Professor Dr. Thomas Weinke (Foto) vom Ernst-von-Bergmann-Klinikum in Potsdam beim Fortbildungskongress Pharmacon in Meran deutlich gemacht. Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) stünden häufig unter einer Therapie mit TNF-Blockern, die eine immunsuppressive Wirkung haben. Apotheker sollten daher hellhörig werden, wenn solche Patienten plötzlich auftretende Infekte haben. Auch bei Impfungen ist bei dieser Patientengruppe ein besonderer Beratungsbedarf angezeigt: Lebendimpfstoffe sind kontraindiziert. Die gleichzeitige Applikation von Totimpfstoffen ist Weinke zufolge zwar in der Regel unproblematisch, allerdings sei der Impfschutz fraglich.

Apotheker sollten betroffene Patienten auch auf die erhöhte Infektionsgefahr – insbesondere das Tuberkulose-Risiko – bei Reisen ins Ausland hinweisen. Aufgrund der (nicht signifikanten) Zusammenhänge von TNF-α-Inhibitoren und dem Auftreten von Melanomen sollten die Patienten auf strikten Sonnenschutz achten. Nicht zuletzt sei auch in der Selbstmedikation besondere Vorsicht geboten, denn nicht steroidale Antirheumatika sind bei diesen Patienten tabu. (kg)

28.05.2018 l PZ
Foto: PZ/Alois Müller

TNF-α-Blocker: Bei Infektionen hellhörig werden2018-06-06T11:41:18+00:00