Endothelzellen der Blutgefäße entlassen regelmäßig Mikrovesikel in den Blutstrom. Diese enthalten nach Bedarf unterschiedliche Verbindungen, die an anderen Orten des Körpers benötigt werden. Bei Patienten mit einer Herzerkrankung enthalten sie besonders häufig einen bestimmten körpereigenen Wirkstoff, nämlich mikro-RNA miRNA-92a. Dies zeigt eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Bonn. Die Publikation erscheint im Fachmagazin Circulation Research, ist aber bereits jetzt online abrufbar.

Das Molekül miRNA-92a greift in das Wachstum und die Neubildung von Blutgefäßen ein. Im Laborversuch blockierte es ein Gen, das normalerweise das Gefäßwachstum bremst. „Wir nehmen an, dass der Körper so auf die schlechte Blutversorgung bei einer Verengung der Herzkranz-Arterien reagiert“, erklärte PD Dr. Felix Jansen vom Herzzentrum des Universitätsklinikums Bonn in einer Pressemitteilung der Universität. Seine Arbeitsgruppe hat die Studie mit den beiden Erstautorinnen Yangyang Liu und Qian Li durchgeführt. „Das Endothel verschickt dann an benachbarte und weiter entfernte Zellen erhöhte Mengen miRNA-92a. Dadurch wird die Gefäßneubildung und damit die Durchblutung des Herzmuskels gefördert.“

Die Studie gibt der These Rückenwind, dass sich miRNA-92a als potenzieller neuer Wirkstoff bei Herzkrankheiten eignen könnte. Schon seit einigen Jahren wird das therapeutische Potenzial des Moleküls erforscht. „Unsere Studie zeigt nun, auf welchen Wegen der Körper die Substanz selber nutzt, um die Folgen einer koronaren Herzerkrankung abzuwenden“, sagte Jansen. „Eine mögliche Strategie könnte daher sein, bei einer Therapie die mikro-RNA ebenfalls in Vesikel zu verpacken. Diese würden einerseits den Wirkstoff vor Abbau schützen, andererseits könnte man sie so adressieren, dass sie nur zu den geeigneten Zielzellen gelangt.“

Mehr zum Thema Herzerkrankungen gibt es auf dem pharmacon in Schladming, dessen Kongressprogramm bereits jetzt online zur Verfügung steht.

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