Ob ein blutgerinnungshemmendes Arzneimittel vor einem operativen Eingriff am Auge abgesetzt werden muss oder nicht, ist häufig eine Einzelfallentscheidung des Arztes. Sie hängt von der Art der Operation und vom verwendeten Arzneimittel ab. Dies war Thema eines Augenärzte-Kongresses in Düsseldorf, über den anderem die Pharmazeutisches Zeitung (PZ) und das Deutsche Ärzteblatt (DÄ) berichteten.

Demnach kann bei zwei der häufigsten Eingriffe – der Operation des Grauen Stars (Katarakt) und der intravitrealen Applikation von Medikamenten in den Glaskörperraum – eine Betäubung des Auges bei guter Mitarbeit des Patienten meist mit Augentropfen erfolgen. Auf Spritzen in die Umgebung des Augapfels kann dann verzichtet werden, sodass die Patienten ihre Gerinnungshemmer nicht absetzen müssen. Der Schnitt, der für den Austausch der Linse bei Grauem Star erforderlich ist, ist nur wenige Millimeter breit und das Blutungsrisiko entsprechend gering.

Bei anderen Operationsverfahren wie der Behandlung des Grünen Stars (Glaukom), bei Hornhauttransplantationen, Lidoperationen oder bei Operationen am Glaskörper und/oder der Netzhaut des Auges fehlen verlässliche Daten zu dieser Frage. Die Entscheidung, ob das Antikoagulanz abgesetzt werden soll, muss der Chirurg daher im Einzelfall treffen, denn die Planung jeder Augenoperation ist ein sehr individueller Vorgang.

Unter Phenprocoumon-Einnahme sollten vor einer Operation die aktuellen INR- oder Quick-Werte bestimmt werden, um das Blutungsrisiko einzuschätzen. Falls der Vitamin-K-Antagonist abgesetzt werden muss, kann der Patient vorübergehend auf Heparin ausweichen (Bridging). Auch die direkten oralen Antikoagulanzien (DOAK) können gegebenenfalls auf Heparin umgestellt werden. In Absprache mit dem Hausarzt oder Internisten kann auch erwogen werden, die Einnahme der Antikoagulanzien für eine gewisse Zeit vor und nach der Operation zu pausieren. Hier richtet sich der Absetzzeitpunkt nach dem Wirkmechanismus und der Halbwertzeit der einzelnen Arzneistoffe. Der Thrombozytenaggregationshemmer Acetylsalicylsäure muss vor Eingriffen am Auge in der Regel nicht abgesetzt werden.

Mehr zum Thema Antikoagulanzien gibt es auf dem pharmacon in Schladming, dessen Kongressprogramm bereits jetzt online zur Verfügung steht.